Rekordjagd auf Waschbären in Niedersachsen entfacht Streit zwischen Jägern und Naturschützern

Klaus-Dieter Stahr
Klaus-Dieter Stahr
2 Min.
Ein Schwarz-Weiß-Foto eines Waschbären im Wald, umgeben von Pflanzen und Bäumen, mit Text und Zahlen unten, die darauf hinweisen, dass es am 21. Mai 2020 aufgenommen wurde.Klaus-Dieter Stahr

Rekordjagd auf Waschbären in Niedersachsen entfacht Streit zwischen Jägern und Naturschützern

Waschbären-Bejagung in Niedersachsen erreicht Rekordwerte – Naturschützer und Jäger uneins

In Niedersachsen hat die Bejagung von Waschbären ein Rekordniveau erreicht und löst damit eine Debatte zwischen Naturschützern und Jägern aus. In der Jagdsaison 2021/22 wurden über 23.000 Tiere erlegt – ein Anstieg um 10,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Kritiker halten die Praxis für unnötig, während Jäger sie als notwendig für die Populationskontrolle verteidigen.

Bis 2016 galten Waschbären in Deutschland rechtlich als heimische Art gemäß Bundesnaturschutzgesetz. Mittlerweile als invasive Species eingestuft, wurden sie ursprünglich vom Menschen eingeführt und stehen nicht auf der EU-Liste der "100 schlimmsten invasiven Arten". Dennoch hat Niedersachsen die Bejagung ausgeweitet und seit April 2022 sogar den Einsatz von Nachtsicht- und Wärmebildgeräten erlaubt.

Helmut Dammann-Tamke, Präsident des Landesjagdverbandes Niedersachsen, betont, die Bejagung sei gerechtfertigt. Der Wildtierbiologe Dr. Ulf Hohmann hingegen hält die Jagd auf Waschbären für wirkungslos und fordert stattdessen eine Anpassung der Gesellschaft. Auch die Bürgerinitiative Pro Fuchs Deutschland lehnt die Politik ab und wirft Jägern vor, aus Gewohnheit weiterhin Tiere mit Krallen und scharfen Zähnen zu bejagen.

EU-Vorgaben verlangen zwar nicht-tödliche Maßnahmen zur Populationskontrolle, doch in Niedersachsen werden solche Methoden weder empfohlen noch flächendeckend angewendet. Stattdessen bleibt die tödliche Bejagung der Standardansatz.

Der starke Anstieg der getöteten Waschbären spiegelt die anhaltenden Spannungen zwischen jagdlicher Tradition und artenschützerischer Wissenschaft wider. Da es keine klaren nicht-tödlichen Alternativen gibt, bleibt die Debatte um den Umgang mit invasiven Arten ungelöst. Die Rekordzahlen bei der Bejagung deuten darauf hin, dass der Konflikt noch lange nicht beigelegt ist.

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