Göttingens erster Muezzin-Ruf spaltet Stadt zwischen Toleranz und Tradition
Göttingens erster Muezzin-Ruf spaltet Stadt zwischen Toleranz und Tradition
Göttingen erlebte im Februar 2026 erstmals den öffentlichen Ruf des Muezzins zum Fastenbrechen – ein Probeprojekt, das einen lang gehegten Wunsch der örtlichen Moscheegemeinde erfüllte. Die Aktion löste sowohl Zustimmung als auch Widerstand aus, während die Oberbürgermeisterin sie als Ausdruck der durch deutsches Recht geschützten Religionsfreiheit verteidigte. Kritiker wie die AfD und die Junge Union warfen der Gemeinde vor, damit die säkulare Grenze im öffentlichen Raum zu überschreiten.
Die Moscheegemeinde hatte seit Langem darauf gedrängt, den Gebetsruf hörbar in den städtischen Alltag zu tragen, um ihre Präsenz sichtbarer zu machen. Der erste Versuch fand während des Iftar statt. Oberbürgermeisterin Petra Broistedt betonte, es handle sich um ein Recht, das durch Artikel 4 des Grundgesetzes garantiert werde – Religionsfreiheit gelte für alle Glaubensrichtungen gleichermaßen.
Widerspruch kam prompt von der Jungen Union und der AfD, die darin einen Eingriff in die negative Religionsfreiheit sahen – also das Recht, von religiösen Äußerungen verschont zu bleiben. Die lokale AfD-Fraktion sprach von einer "ideologischen Abkehr" von einer säkularen, toleranten Gesellschaft. Befürworter, darunter religiöse Vertreter, hobegen hingegen die Bedeutung des Rufs für den interreligiösen Dialog hervor.
Bevor eine dauerhafte Lösung beschlossen wird, sollen Schallmessungen in angrenzenden Wohngebieten die Lärmbelastung prüfen. Moschee und Stadtverwaltung wollen gemeinsam entscheiden, ob künftig ein monatlicher Gebetsruf eingeführt wird – möglicherweise mittags zum Freitagsgebet.
Die Debatte in Göttingen kreist um die Frage, wie religiöse Sichtbarkeit und säkularer öffentlicher Raum in Einklang zu bringen sind. Sollte der monatliche Ruf genehmigt werden, folgen zunächst Lärmgutachten und eine breite Bürgerbeteiligung. Das Ergebnis wird zeigen, ob der Muezzin-Ruf künftig zum festen Bestandteil des städtischen Lebens wird.
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