Deutschlands Atomausstieg besiegelt: Warum die Ära der Kernkraft endgültig endet

Klaus-Dieter Stahr
Klaus-Dieter Stahr
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Ein Diagramm, das die Stromerzeugung aus Wind und Solar in Deutschland zeigt, mit begleitendem Text, der zusätzliche Dateninformationen bereitstellt.Klaus-Dieter Stahr

Deutschlands Atomausstieg besiegelt: Warum die Ära der Kernkraft endgültig endet

Deutschland hat seine letzten drei Kernreaktoren abgeschaltet und damit das Ende einer Ära der Atomkraft im Land eingeläutet. Die endgültige Stilllegung erfolgte im April 2023 – trotz Energiekrisen und Debatten über die Kosten. Diese Entscheidung ist das Ergebnis jahrzehntelanger politischer Wechsel und öffentlicher Ablehnung der Atomtechnologie.

Die antiatomare Bewegung in Deutschland gewann in den frühen 1980er-Jahren an Fahrt, befeuert durch die Spannungen des Kalten Krieges. Die Katastrophe von Tschernobyl 1986 verstärkte die Proteste und trennte die Ängste vor nuklearen Unfällen von der Furcht vor einem Krieg. Die Grünen, 1980 von Atomkraftgegnern gegründet, zogen 1983 in den Bundestag ein und gewannen mit der Zeit an Einfluss.

1998 schlug eine Koalition aus SPD und Grünen den schrittweisen Ausstieg aus der Kernenergie bis 2022 vor. Die CDU kehrte diesen Plan später jedoch wieder um. Nach der Reaktorkatastrophe von Fukushima 2011 setzte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Fahrplan für die Abschaltung erneut in Kraft und legte 2022 als endgültiges Enddatum fest.

Russlands Angriff auf die Ukraine 2022 löste eine Kohlenwasserstoffkrise aus, doch Deutschland hielt am Atomausstieg fest. Bis September 2022 stoppten die Gasimporte aus Russland vollständig, was das Land zu alternativen Lieferanten wie Norwegen, den Niederlanden und US-amerikanischem Flüssiggas (LNG) trieb. Trotz explodierender Energiepreise und einer vorübergehenden Rückkehr zur Kohle zog die Regierung den Atomausstieg nicht infrage.

Eine Studie aus dem Jahr 2022 bezifferte die jährlichen Kosten des Atomausstiegs für Deutschland auf drei bis acht Milliarden Euro. Andere Untersuchungen legen nahe, dass die Stilllegung von Kohle- und Gaskraftwerken statt von Atommeilern zwischen 2011 und 2017 bis zu 4.600 Menschenleben hätte retten können.

Deutschland ist nach Italien die zweite große Volkswirtschaft, die vollständig auf Atomstrom verzichtet. Der Wandel hat Investitionen in LNG-Terminals und grüne Gase wie Biogas beschleunigt. Doch die Kohle bleibt eine zentrale Energiequelle – mit Sorgen über die Klimabilanz und die langfristige Nachhaltigkeit.

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