Sechs Jahre nach Hanau: Familie Kurtović kämpft weiter um Aufklärung und Gerechtigkeit
Erinnerung an die Opfer von Hanau - Wulff fordert Vielfalt - Sechs Jahre nach Hanau: Familie Kurtović kämpft weiter um Aufklärung und Gerechtigkeit
Angehörige und Freunde versammelten sich in dieser Woche, um sechs Jahre nach seinem Tod bei dem rassistischen Anschlag in Hanau an Hamza Kurtović zu erinnern. An der Gedenkveranstaltung nahm der ehemalige Bundespräsident Christian Wulff teil, der zu mehr Engagement für Vielfalt und Toleranz in Deutschland aufrief. Die Veranstaltung lenkte zugleich die Aufmerksamkeit auf anhaltende Kritik an Deutschlands Umgang mit rassistischer Gewalt.
Am 19. Februar 2020 hatte ein 43-jähriger Deutscher in Hanau bei einem rassistisch motivierten Anschlag neun Menschen erschossen. Vor seinem Suizid tötete er zudem seine Mutter. Hamza Kurtović gehörte zu den Opfern.
Seit dem Anschlag kritisiert die Familie Kurtović immer wieder die Ermittler und Justizbehörden. Sie werfen ihnen vor, zentrale Aspekte – wie etwa einen verschlossenen Notausgang am zweiten Tatort – nie ausreichend aufgeklärt zu haben. Im November 2023 reichten Armin Kurtović und seine Frau Dijana Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein. Sie werfen den Behörden vor, die Umstände des Todes ihres Sohnes in Deutschland nicht vollständig untersucht zu haben.
Bei der Gedenkfeier besuchte Wulff gemeinsam mit Armin Kurtović das Grab von Hamza. Der ehemalige Bundespräsident prangerte an, dass Deutschland Diskriminierung oft ignoriert, und forderte eine konsequentere Haltung gegen Rassismus. Zu den Teilnehmenden zählten auch Beate Hofmann, Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, sowie Oliver Dainow, Geschäftsführer der Jüdischen Gemeinde Hanau.
Der Anschlag von Hanau legte strukturelle Defizite in Deutschlands Umgang mit rassistischer Gewalt offen. Angehörige der Opfer und Überlebende äußern seit Langem Frust über behördliches Versagen, während rechtspopulistische Bewegungen wie die AfD bei der hessischen Landtagswahl 2023 Rekordwerte erreichten. Trotz dieser Herausforderungen setzen sich Initiativen wie die Bildungsinitiative Ferhat Unvar weiterhin für die Bekämpfung von Rassismus in Deutschland ein.
Sechs Jahre nach Hamza Kurtovićs Tod bleiben Fragen nach Verantwortung und Aufarbeitung unbeantwortet. Der juristische Kampf der Familie Kurtović und öffentliche Forderungen nach Veränderung spiegeln die breitere Debatte über Deutschlands Umgang mit rassistischer Gewalt wider. Gleichzeitig halten sich zivilgesellschaftliche Bemühungen um Toleranzförderung – inmitten politischer und sozialer Spannungen – beharrlich.
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