25 April 2026, 12:33

Zufit Simons radikaler Bruch: The Fight Club feiert Uraufführung in Hannover

Ein Buchumschlag mit einer leuchtenden Illustration einer Gruppe tanzender Frauen in energischen, synchronisierten Posen.

Zufit Simons radikaler Bruch: The Fight Club feiert Uraufführung in Hannover

Zufit Simons neues Werk The Fight Club eröffnet am 23. April das Best OFF Festival für Independent-Theater in Hannover. Die Produktion markiert einen kühnen Bruch in ihrem künstlerischen Schaffen – weg von frauenzentrierten Themen hin zu einer Auseinandersetzung mit Kampf und männlicher Aggression. Simon, 1980 in Israel geboren, prägt seit 25 Jahren den zeitgenössischen Tanz in Deutschland.

Ihre Karriere begann in München, doch heute spannt sich ihr Wirken in einem kreativen Dreieck zwischen München, Braunschweig und Berlin auf. Ihre Choreografien sind bekannt für strenge formale Strukturen, spielerische Unterwanderung von Erwartungen und gezielte Momente der Verwirrung. 2019 setzte ihr Solo Foams Maßstäbe, indem es unvorhergesehene Bewegungen, vokale Experimente und technische Verzerrungen einband.

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Ihre langjährige Zusammenarbeit mit Dietrich Oberländers artblau Tanzwerkstatt in Braunschweig war prägend für ihre Entwicklung. Doch die Kürzungen der Fördergelder durch das Niedersächsische Ministerium für Kunst und Kultur 2016 schwächten die institutionelle Unterstützung – ein Prozess, der 2024 in der Insolvenz und Schließung des Braunschweiger LOT-Theaters gipfelte, ein herber Rückschlag für Simons lokale Projekte.

The Fight Club bedeutet einen Abschied von ihrer bisherigen Fokussierung auf weibliche Darsteller:innen. Stattdessen taucht das Stück in die Psychologie körperlicher Konfrontation ein und inszeniert Kampf als Spektakel, das erst endet, wenn ein Gegner nicht mehr aufstehen kann. Diese neue Richtung fällt in eine Phase wachsender Anerkennung: 2025, mit 45 Jahren, erhält Simon den Münchner Tanzpreis für ihr Lebenswerk.

Die Uraufführung von The Fight Club beim Best OFF Festival in Hannover verleiht Simons Œuvre eine düstere, kämpferischere Kante. Während ihre früheren Arbeiten oft Weiblichkeit und Abstraktion thematisierten, untersucht diese Produktion rohe Körperlichkeit und Dominanz. Die Festivalaufführung steht am Ende jahrelanger institutioneller Herausforderungen – doch sie fällt auch in eine Zeit, in der Simons Einfluss auf den deutschen zeitgenössischen Tanz zunehmend gewürdigt wird.

Quelle