"Wir wollten frei sein": Ein DDR-Opfer bricht sein Schweigen über Repression und Widerstand
Klaus-Dieter Stahr"Wir wollten frei sein": Ein DDR-Opfer bricht sein Schweigen über Repression und Widerstand
"Wir wollten frei sein" – Ein neues Memoirenwerk enthüllt das Leben unter dem repressiven Regime der DDR
In seinem Buch "Wir wollten frei sein" gibt Peter Niebergall einen eindringlichen Einblick in den Alltag unter der Unterdrückung der DDR-Diktatur. Er schildert seinen Kampf gegen den Staat und die grausamen Konsequenzen, die er und seine Frau für ihren Freiheitswillen erleiden mussten – von Verhaftungen über einen politisch motivierten Schauprozess bis hin zu den langfristigen Folgen ihres Widerstands.
Niebergalls Weg begann 1968, als er die sowjetische Invasion in der Tschechoslowakei während des Prager Frühlings miterlebte. Dieses Ereignis festigte seinen Widerstand gegen die DDR-Führung. Jahre später, in den 1980er-Jahren, beantragten er und seine Frau Heidi die Ausreise in die Bundesrepublik – ein Schritt, der sie sofort ins Visier der Staatssicherheit brachte.
Am 6. August 1983 wurden das Ehepaar und weitere Bürgerrechtler verhaftet. Angeklagt wurden sie wegen "staatsfeindlicher Hetze" – ein Vorwurf, den der damalige Staatsanwalt Ekkehard Kaul erhob, der später selbst wegen Rechtsbeugung und willkürlicher Inhaftierung verurteilt wurde. Vor dem Bezirksgericht Berlin-Pankow wurde Peter Niebergall am 27. Oktober 1983 zu einem Jahr und zwei Monaten Haft verurteilt.
Erst Jahre nach der Wende musste sich auch Kaul vor Gericht verantworten: Am 20. November 1998 verurteilte ihn das Landgericht Berlin zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten für seine Rolle in diesem und anderen Fällen. Niebergalls Memoiren dokumentieren nun diese Ereignisse und bieten eine persönliche Perspektive auf Widerstand und Repression in der DDR.
Das Buch beleuchtet nicht nur das individuelle Schicksal der Niebergalls, sondern auch die systematischen Ungerechtigkeiten des zweiten deutschen Diktaturregimes. Es ist zugleich historisches Zeugnis und Hommage an alle, die den Mut hatten, sich gegen das System aufzulehnen.
"Wir wollten frei sein" zeigt anhand von Peter Niebergalls Erlebnissen – vom Prager Frühling über die Haft bis zur späten Rehabilitation – die Risiken, die Regimegegner in der DDR eingingen. Sein Bericht steht als Mahnmal ihres Kampfes, auch wenn sein Einfluss auf das kollektive Gedächtnis in den verfügbaren Quellen bisher kaum dokumentiert ist.






