Tausende protestieren in NRW gegen sexualisierte Gewalt und fordern Gesetzesreformen
Herlinde JungferTausende protestieren in NRW gegen sexualisierte Gewalt und fordern Gesetzesreformen
Tausende sind in Nordrhein-Westfalen auf die Straße gegangen, um strengere Maßnahmen gegen sexualisierte Gewalt zu fordern. Am Wochenende zogen Proteste in Köln und Bonn große Menschenmengen an, bei denen Demonstrantinnen und Demonstranten schärfere Gesetze und einen gesellschaftlichen Wandel einforderten. Die Kundgebungen folgten auf jüngste Skandale und den Vorstoß von Politikerinnen und Politikern, digitale Gewalt konsequenter zu bekämpfen.
Die Demonstrationen begannen am Samstag in Köln, wo mehr als 5.000 Menschen gegen sexualisierte Gewalt protestierten. Einen Tag später versammelten sich über 500 Protestierende auf dem Bonner Marktplatz vor dem alten Rathaus, um ähnliche Forderungen zu erheben.
Die Bonner Kundgebung wurde von einem parteiübergreifenden Bündnis organisiert, dem die Grünen, die CDU, die SPD und Volt angehören. Tim Achtermeyer, Landesvorsitzender der Grünen, kritisierte Bundeskanzler Friedrich Merz dafür, sich nicht stärker für gesetzliche Reformen zum Schutz von Frauen einzusetzen. Auch CDU-Politikerinnen der Frauen-Union der Partei schlossen sich auf der Demonstration den Forderungen nach besseren Schutzmaßnahmen an.
Rednerinnen und Redner bei der Veranstaltung riefen Männer dazu auf, sich mit frauenfeindlichem Verhalten auseinanderzusetzen und Verantwortung für einen Wandel zu übernehmen. Ihre Appelle erfolgten vor dem Hintergrund wachsender öffentlicher Empörung über prominente Fälle – etwa die Vorwürfe der Schauspielerin Collien Fernandes, ihr Ex-Mann, der Schauspieler Christian Ulmen, habe gefälschte Online-Profile von ihr erstellt und explizite Inhalte verbreitet.
Die Proteste fielen zusammen mit Regierungsbemühungen, digitale Gewalt einzudämmen. Im März 2026 hatte Bundesjustizministerin Stefanie Hubig (SPD) einen Gesetzentwurf vorgelegt, der die Erstellung und Verbreitung pornografischer Deepfakes sowie nicht einvernehmlicher intimer Aufnahmen unter Strafe stellen soll. Anders als in der EU-Regelung zielt der Vorschlag sowohl auf die Produktion als auch auf die Verbreitung ab. Die Planung für das Gesetz begann zwar bereits 2025, gewann jedoch nach jüngsten Skandalen an Dringlichkeit. Eine Studie vom Februar 2026 hatte ergeben, dass in den vergangenen fünf Jahren 20 Prozent der Frauen und 14 Prozent der Männer in Deutschland von digitaler Gewalt betroffen waren – bei den 16- bis 17-jährigen Mädchen lag der Anteil sogar bei über 60 Prozent.
Der Gesetzentwurf wird derzeit in der Regierung geprüft; mit einer Abstimmung wird im Frühling 2026 gerechnet. Die Protestierenden in Bonn und Köln haben deutlich gemacht, dass der öffentliche Druck für stärkere Schutzmaßnahmen ungebrochen ist. Die Demonstrationen zeigen sowohl das Ausmaß des Problems als auch die Forderung nach schnelleren gesetzlichen und gesellschaftlichen Lösungen.






