12 April 2026, 06:13

Tarifvertrag für Landarbeiter: 10 Prozent mehr Lohn – doch Saisonkräfte bleiben ausgebeutet

Plakat mit fetter schwarzer Schrift "Landwirtschaftliche Arbeit Stromversorgung" auf weißem Hintergrund, eingerahmt von einem schmalen schwarzen Rand, mit einer Grafik eines Bauernhofs mit Traktor und Scheune.

Tarifvertrag für Landarbeiter: 10 Prozent mehr Lohn – doch Saisonkräfte bleiben ausgebeutet

Landarbeiter in Deutschland haben einen neuen Tarifvertrag durchgesetzt, der die Löhne in 33 Monaten um etwa 10 Prozent erhöht. Doch viele Saisonkräfte arbeiten nach wie vor unter harten Bedingungen – manche erhalten in den ersten vier Monaten nur den gesetzlichen Mindestlohn. Berichte zeigen anhaltende Missstände: von illegalen Lohnabzügen über überfüllte Unterkünfte bis hin zu extrem langen Arbeitszeiten.

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Die aktuelle Lohnvereinbarung gilt für qualifiziertes Agrarpersonal, während ungelerntes Saisonpersonal – oft aus dem Ausland – in den ersten Monaten weiterhin nur Mindestlohn erhält. Gleichzeitig belegen Ermittlungen, dass manche Arbeitgeber bis zu 1.000 Euro unrechtmäßig von den Löhnen einbehalten. In einem Fall wurde in Hessen ein 15 Quadratmeter großer Frachtcontainer für über 2.000 Euro monatlich als Arbeiterunterkunft vermietet.

Die Arbeitszeiten erreichen häufig bis zu 70 Stunden pro Woche, während die Lebensbedingungen prekär bleiben. Zudem haben die Behörden die Kontrollen in landwirtschaftlichen Betrieben drastisch reduziert: von fast 1.200 im Jahr 2020 auf nur noch 274 im Jahr 2024. Dieser Rückgang fällt mit einer Verlängerung der sozialversicherungsfreien Kurzzeitverträge von 70 auf 90 Tage zusammen, wodurch die Beschäftigten ohne grundlegenden Schutz dastehen.

Im vergangenen Jahr waren rund 243.000 Saisonarbeitskräfte in der deutschen Landwirtschaft beschäftigt, doch ihre genaue Zahl und Herkunft bleiben unklar. Der Deutsche Bauernverband fordert einen 20-prozentigen Abschlag auf den Mindestlohn für ausländische Saisonkräfte – ein Vorhaben, das zunehmend politische Unterstützung findet.

Die Lohnerhöhung für Festangestellte ist ein Fortschritt, doch Saisonarbeiter bleiben weiterführe Ausbeutung ausgesetzt. Angesichts schrumpfender Kontrollen und ausgeweiteter Ausnahmen werden die Forderungen nach strengerer Durchsetzung lauter. Die Abhängigkeit des Sektors von prekär beschäftigten Arbeitskräften bleibt eine drängende Herausforderung für Politik und Gewerkschaften.

Quelle