Rechtsstreit um Julian Reichelt: ARD kämpft um zensierte Enthüllungen vor Gericht
Luka BoucseinRechtsstreit um Julian Reichelt: ARD kämpft um zensierte Enthüllungen vor Gericht
Ein Rechtsstreit um einen investigativen Bericht aus dem Jahr 2023 über den ehemaligen Bild-Chefredakteur Julian Reichelt wird nach der Zensur zentraler Passagen weitergeführt. Die ARD-Sendung Reschke Fernsehen hatte behauptet, der Machtmissbrauch bei der Zeitung sei weitaus umfangreicher gewesen als in früheren Berichten dargestellt. Reichelt wies die Vorwürfe entschieden zurück und bezeichnete sie als Teil einer politischen Kampagne gegen seine Person.
Der Fall bewegt sich nun auf ein vollständiges Gerichtsverfahren zu, wobei offene Fragen voraussichtlich bis mindestens 2026 ungelöst bleiben. Im Februar 2023 strahlte Reschke Fernsehen einen Bericht aus, in dem Julian Reichelt mehrere Affären mit Untergebenen vorgeworfen wurden. Zudem soll er Frauen zu sexuellen Beziehungen gedrängt haben. Die Sendung deutete an, dass das Ausmaß der Verfehlungen bei Bild größer sei als bisher bekannt. Kurz darauf beantragte Reichelt eine einstweilige Verfügung, wodurch kritische Abschnitte des Beitrags geschwärzt werden mussten.
Die ursprüngliche Sendung ist nicht mehr in der ARD-Mediathek abrufbar, da die zweijährige Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist. Der Sender NDR weigert sich jedoch, den Fall auf sich beruhen zu lassen. Stattdessen treibt er das Verfahren vor Gericht voran, um die zensierten Teile des Berichts wiederherzustellen. Zudem plant der NDR, Zeugen zu laden – darunter eine Frau, die behauptet, Reichelt habe sie zu einer sexuellen Beziehung genötigt.
Während der internen Untersuchungen des Axel-Springer-Verbands sollen mehrere Frauen, die sich äußerten, berufliche Konsequenzen erlebt haben. Doch zentrale Details – etwa die genaue Anzahl der Affären oder ob es zu Nötigung kam – wurden nie vollständig aufgeklärt.
Reichelt bestreitet die Vorwürfe nach wie vor und stellt sich als Opfer einer politisch motivierten Diffamierungskampagne dar. Das juristische Verfahren könnte sich noch hinziehen, wobei eine endgültige Entscheidung frühestens im Frühjahr 2026 erwartet wird.
Die Klärung des Falls könnte langjährige Fragen zum Ausmaß der Verfehlungen bei Bild und zur Behandlung derer beantworten, die sich gemeldet haben. Der Prozess wird nun durch die Instanzen gehen, wobei der NDR darauf drängt, die geschwärzten Passagen des Berichts wieder zugänglich zu machen. Zeugenaussagen, darunter auch Schilderungen beruflicher Repressalien, könnten in den Verhandlungen eine zentrale Rolle spielen. Ein abschließendes Urteil wird vor 2026 nicht erwartet, sodass die Vorwürfe vorerst weiter ungeklärt bleiben.






