Guido Westerwelle: Vom politischen Popstar zum stillen Kämpfer gegen die Krankheit
Christos SchwitalVom 'Jungtuer' zum Staatsmann - Guido Westerwelle: Vom politischen Popstar zum stillen Kämpfer gegen die Krankheit
Guido Westerwelle wurde durch kühne Taktiken und ein Gespür für Publicity zu einem der prägendsten Politiker Deutschlands. Mit scharfen Aussagen und auffälligen Aktionen machte er die Freie Demokratische Partei (FDP) im ganzen Land bekannt. Eine neue 90-minütige ARD-Dokumentation wirft nun ein Licht auf seine politische Karriere und seine privaten Kämpfe.
Erstmals auf sich aufmerksam machte Westerwelle in den 1980er-Jahren, als er den Jugendverband der FDP umkrempelte. Sein schneller Aufstieg in der Partei ebnete den Weg für seinen späteren Ruhm. Im Jahr 2000 betrat er als erster prominenter Politiker das Big-Brother-Haus – ein Schritt, der Traditionalisten schockierte, aber Schlagzeilen machte.
Sein Bundestagswahlkampf 2002 trieb die Inszenierung auf die Spitze: In einem Superman-Kostüm tourte er im Guidomobil durchs Land und warb mit eingängigen Reimen wie "Willst du fit sein auf die Schnelle, komm zu Guido Westerwelle!" Diese Auftritte brachten ihm den Spitznamen "politischer Popstar" ein und verhalfen der FDP 2009 zu einem historischen Ergebnis von 14,56 Prozent. Doch 2013 verfehlte die Partei die Fünf-Prozent-Hürde und scheiterte damit am Einzug in den Bundestag.
Hinter der öffentlichen Fassade kämpfte Westerwelle mit einer schweren Krankheit. Im Juni 2014 wurde bei ihm Leukämie diagnostiziert; zwei Jahre lang kämpfte er diszipliniert und im Stillen gegen die Erkrankung. Im November 2015 veröffentlichte er Zwischen zwei Leben, ein Buch, in dem er seine Krankheit und seine Karriere reflektierte. 2016 starb er mit nur 54 Jahren – zurück blieb das Erbe eines politischen Querdenkers und eines Mannes von großer persönlicher Stärke.
Die Dokumentation zeigt Westerwelles doppeltes Leben: als charismatischer Showmaster, der politische Konventionen brach, und als Mensch, der seine Krankheit mit Entschlossenheit annahm. Seine Strategien prägten das Image der FDP, während seine späteren Jahre eine nachdenklichere Seite offenbarten. Der Film bietet einen letzten Blick auf eine Persönlichkeit, die polarisierte – und doch unvergessen bleibt.






