Deutschlands Kreislaufwirtschaft unter Druck: Warum Ostasien die Führung bedroht
Luka BoucseinDeutschlands Kreislaufwirtschaft unter Druck: Warum Ostasien die Führung bedroht
Deutschland bleibt weltweit führend in Kreislaufwirtschaftstechnologien und hält mit der zweitgrößten Anzahl an Patenten in diesem Bereich eine Spitzenposition. Zwischen 2010 und 2024 wurden weltweit fast 62.000 Patente angemeldet – davon stammen 10.700 aus Deutschland. Doch trotz dieser starken Stellung gerät die deutsche Vorreiterrolle durch das schnellere Wachstum Ostasiens zunehmend unter Druck.
In den vergangenen zehn Jahren haben deutsche Patente im Bereich der Kreislaufwirtschaft erheblich an Einfluss gewonnen. Diese Innovationen werden häufig zitiert – fast 15.000 Mal in 15 Jahren –, was ihre Bedeutung für künftige Entwicklungen unterstreicht. Schwerpunkte liegen unter anderem im Batterierecycling und im nachhaltigen Bauen, wo deutsche Forschungsinstitute und Unternehmen mit Projekten wie DiVaBatt und GranuGoIn maßgeblich vorangehen.
Besonders kritisch wird die Rückgewinnung von Batterien, da die E-Mobilität expandiert und Europa nach Alternativen zu chinesischen Lieferketten sucht. Gleichzeitig bietet die Kreislaufwirtschaft im Bausektor große Chancen: Zahlreiche Akteure melden Patente an, um die Wiederverwendung von Materialien grundlegend zu verändern.
Doch andere Nationen holen rasant auf. China meldete 2021 fast fünfmal so viele Patente an wie noch 2010, während Südkorea und Japan ihre Zahlen verdreifachten beziehungsweise verdoppelten. Deutschlands Wachstumsrate bleibt demgegenüber zurück.
Um die Führungsposition zu halten, fordern Expert:innen die Bundesregierung auf, den Aktionsplan für die Nationale Kreislaufwirtschaftsstrategie zügig zu finalisieren. Klare industriepolitische Ziele – etwa gezielte Forschungsförderung und öffentliche Beschaffungsvorgaben – könnten Deutschlands Stellung in diesen Schlüsselsektoren sichern.
Die deutsche Spitzenstellung in der Kreislaufwirtschaft hängt nun von schnellen politischen Weichenstellungen und nachhaltigen Investitionen ab. Ohne verlässliche rechtliche und finanzielle Rahmenbedingungen droht das Land gegenüber den dynamischeren Konkurrenten in Ostasien zurückzufallen. Die kommenden Jahre werden entscheiden, ob Deutschland seinen Platz als führender Innovator im Batterierecycling und nachhaltigen Bauen behaupten kann.






