Berlin erzwingt mehr Ausbildungsplätze – oder Unternehmen zahlen Millionenstrafe
Christos SchwitalBerlin erzwingt mehr Ausbildungsplätze – oder Unternehmen zahlen Millionenstrafe
Berlin führt neue Regel ein: Unternehmen müssen mehr Ausbildungsplätze anbieten – oder zahlen
Ab 2028 müssen Unternehmen in Berlin mit mindestens zehn Beschäftigten mindestens 4,6 Prozent ihrer Belegschaft ausbilden – andernfalls droht eine Abgabe. Mit der Maßnahme will die Stadt ihre niedrigen Ausbildungsquoten bekämpfen, doch Arbeitgeber kritisieren den Vorstoß bereits.
Das Berliner Abgeordnetenhaus verabschiedete die sogenannte Ausbildungsabgabe, die sich gegen Betriebe richtet, die zu wenige Ausbildungsplätze bereitstellen. Aktuell liegt die Ausbildungsquote der Stadt unter dem Bundesdurchschnitt von 4,6 Prozent. Rund 25 Prozent der Berliner Unternehmen mit zehn oder mehr Mitarbeitenden sind betroffen, da sie diesen Wert bereits heute verfehlen.
Fonds soll Berufsausbildung stärken – doch nicht alle sind überzeugt Künftig müssen nicht konforme Unternehmen in einen zentralen Topf einzahlen, aus dem jährlich voraussichtlich etwa 75 Millionen Euro für die berufliche Bildung in der Stadt fließen sollen. Doch nicht alle Arbeitgeber halten dies für eine faire Lösung.
Marius Meiners, Gründer des KI-Unternehmens Peec AI, hält die Vorgabe für sein spezialisiertes Team für unpraktikabel. Statt Auszubildende einzustellen, könnte er lieber die Strafe zahlen. Ralph Hage von Lap Coffee kritisiert, die Abgabe sende das falsche Signal, da sein Unternehmen auf Automatisierung und moderne Schulungsmethoden setze – und nicht auf klassische Berufsausbildungen.
Agnieszka Walorska von Mika verweist auf ein grundlegendes Problem: das sinkende Interesse junger Menschen an traditionellen Ausbildungsberufen. Moritz Kreppel, Mitgründer von Urban Sports Club, wirft der Politik vor, damit vor allem Start-ups zu bestrafen, die schlichtweg bestimmte Ausbildungsgänge nicht anbieten können.
Kritik an Symptombekämpfung statt Ursachenforschung Die Abgabe tritt 2028 in Kraft und gibt Unternehmen Zeit, ihre Ausbildungsprogramme anzupassen. Wer die Quote nicht erfüllt, finanziert stattdessen einen gemeinsamen Fonds für die berufliche Bildung. Kritiker warnen jedoch, dass die Maßnahme die eigentlichen Gründe für den Ausbildungsmangel in Berlin nicht behebt.






