Apothekenreform entscheidet: Werden lokale Apotheken in Deutschland überleben?
Herlinde JungferApothekenreform entscheidet: Werden lokale Apotheken in Deutschland überleben?
Deutschlands Arzneimittelversorgung steht am Scheideweg – das warnt die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (Apobank) in einer aktuellen Einschätzung. Die Zukunft der heimischen Apotheken hängt nun von politischen Weichenstellungen und den laufenden Reformen ab. Vorstandschef Matthias Schellenberg betont, dass die künftige Ausrichtung des Sektors darüber entscheidet, ob Apotheken als unverzichtbare Säule der Gesundheitsversorgung erhalten bleiben oder sich dem Marktdruck beugen müssen.
Schellenberg verwies auf die wachsende Konkurrenz durch ausländische Online-Händler und große inländische Einzelhandelsketten, die den Druck auf die traditionellen Präsenzapotheken weiter erhöhen. Gleichzeitig boomt der globale E-Pharmacy-Markt: Bis 2026 wird sein Volumen auf geschätzte 46,01 Milliarden US-Dollar beziffert, mit einer prognostizierten jährlichen Wachstumsrate von 13,56 Prozent bis 2035.
In Deutschland haben Online-Apotheken wie Shop Apotheke und DocMorris bereits stark an Bedeutung gewonnen – ihre Bekanntheit bei Verbrauchern lag Anfang 2026 bei 83 bzw. 76 Prozent. Die apo.com Group, drittgrößter Anbieter im deutschen Online-Apothekenmarkt, verzeichnete 2025 einen Umsatz von 375 Millionen Euro, wobei die Verkäufe verschreibungspflichtiger Medikamente um 75 Prozent stiegen. Die Apobank warnt, dass diese Entwicklung die Rolle der lokalen Apotheken bei der Arzneimittelsicherheit und der individuellen Patientenberatung untergraben könnte.
Schellenberg forderte die Politik auf, die Sorgen der Apotheker ernst zu nehmen, bevor das System weiter erodiert. Einige Bundesländer haben diese Kritik bereits aufgegriffen und drängen im Gesetzgebungsverfahren auf Änderungen. Unklar bleibt jedoch, welche Forderungen letztlich in die Reform einfließen werden.
Der Apobank-Chef stellte die Debatte als Grundsatzentscheidung dar: Entweder werden Apotheken als systemrelevante Gesundheitsinfrastruktur anerkannt – oder ihre Zukunft wird den Marktkräften überlassen. Die Bank pocht darauf, dass eine zuverlässige Arzneimittelversorgung und fachkundige Beratung nur durch ein professionell geführtes, flächendeckendes Apothekennetz gewährleistet werden können.
Die anstehende Apothekenreform wird maßgeblich prägen, wie Patienten in Deutschland künftig an Medikamente gelangen. Falls lokale Apotheken gegenüber Online-Anbietern weiter an Boden verlieren, könnte sich das Gleichgewicht zwischen Bequemlichkeit und individueller Betreuung dauerhaft verschieben. Die jetzt getroffenen Entscheidungen werden zeigen, ob der Sektor weiterhin auf fachliche Expertise setzt – oder sich einem stärker kommerzialisierten Modell anpasst.






