05 April 2026, 02:13

Apotheken in der Krise: Warum lokale Gesundheitsversorgung am Limit ist

Blauer Hintergrund mit weißer Schrift und Logo, das besagt: "19 Millionen Amerikaner werden jährlich geschätzte 400 Dollar an Arzneimittelkosten sparen."

Apotheken in der Krise: Warum lokale Gesundheitsversorgung am Limit ist

Staatssekretärin Dr. Sonja Optendrenk aus dem Hessischen Ministerium für Soziales und Integration traf kürzlich mit Dr. Michael Kuck, dem Geschäftsführer des Noweda-Großhandelszentrums in Langgöns, zusammen. Im Mittelpunkt ihres Gesprächs standen die wachsenden Belastungen, denen sich Apotheken und Arzneimittelgroßhändler in ganz Deutschland gegenübersiehen. Beide betonten die Notwendigkeit stärkerer finanzieller Unterstützung und klarerer Regelungen, um die Zukunft der lokalen Gesundheitsversorgung zu sichern.

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Seit der Einführung des Apothekenversorgungs-Weiterentwicklungsgesetzes (AVWG) im Jahr 2022 haben industrielle Versandapotheken ihren Marktanteil auf etwa 15–20 % im deutschen Online-Rezeptsektor ausbauen können. Mit jährlichen Wachstumsraten von 10–15 % – begünstigt durch gelockerte Vorschriften zur Fernabgabe von Medikamenten – folgte eine rasante Expansion. Doch 2023 führte das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) strengere Qualitätskontrollen und Werbebeschränkungen ein, um die Entwicklung zu regulieren.

Während des Treffens hob Kuck hervor, dass Apotheken weit mehr leisten als die bloße Abgabe von Medikamenten. Impfungen, diagnostische Tests und die Beratung zu Hilfsmitteln schafften einen erheblichen Mehrwert für Patientinnen und Patienten und unterstrichen so die zentrale Rolle der Apotheken in der lokalen Gesundheitsversorgung. Gleichzeitig warnte er vor der prekären finanziellen Lage vieler Betriebe und forderte eine dringende Erhöhung der Festbeträge, um faire und stabile Arbeitsbedingungen zu gewährleisten.

Optendrenk unterstützte diese Bedenken und betonte, dass die wirtschaftliche Stabilität der Apotheken entscheidend sei, um eine flächendeckende Gesundheitsversorgung zu garantieren. Ein gut finanziertes System mit verlässlichem Zugang zu Medikamenten sei ein Grundpfeiler einer funktionierenden Demokratie, so die Staatssekretärin. Beide kritisierten zudem das aktuelle Vergütungsmodell, das mit den steigenden Betriebskosten nicht Schritt halte.

Hessen gehört zu den Bundesländern, die sich im Bundesrat für eine bessere Finanzierung einsetzen und sich gegen Pläne für "Apotheken ohne Apotheker" aussprechen. Die Debatte spiegelt eine breitere Kritik am AVWG wider: Viele fürchten, dass das Gesetz das traditionelle Apothekenmodell – insbesondere in ländlichen Regionen, wo Apotheken oft erste Anlaufstelle für medizinischen Rat sind – untergräbt.

Das Treffen unterstrich die finanzielle Belastung der lokalen Apotheken und den dringenden Handlungsbedarf in der Gesundheitspolitik, um ihre Rolle im System zu stärken. Angesichts wachsender Konkurrenz durch Versandapotheken und steigender Kosten waren sich beide einig: Fairere Vergütungsmodelle und schärfere Regulierungen sind unverzichtbar. Die Ergebnisse dieser Diskussion könnten künftige Entscheidungen zur Apothekenfinanzierung und zu Qualitätsstandards in ganz Deutschland prägen.

Quelle