Wie der Flaggenstreit die Weimarer Republik spaltete und Hindenburg scheiterte
Klaus-Dieter StahrWie der Flaggenstreit die Weimarer Republik spaltete und Hindenburg scheiterte
Deutschlands erbitterter Flaggenstreit spitzte sich während der Weimarer Republik zu, als politische Lager um die nationalen Symbole rangen. Im Mittelpunkt des Konflikts standen zwei gegensätzliche Farbkombinationen: Schwarz-Rot-Gold, unterstützt von linksgerichteten Gruppen, und Schwarz-Weiß-Rot, die von der Rechten bevorzugt wurde. Bis Mitte der 1920er Jahre hatte sich die Spaltung zu unverrückbaren Blöcken verhärtet, die keine Kompromisse duldeten.
Die Wurzeln des Streits reichten bis zum alliierten Verbot des Anschlusses Österreichs zurück, das die politische Polarisierung verschärfte. Anhänger der alten kaiserlichen Farben (Schwarz-Weiß-Rot) standen den Kräften der „Weimarer Koalition“ und den Kommunisten gegenüber, die sich hinter Schwarz-Rot-Gold scharten. Trotz Versuchen der Nationalversammlung, die Spannungen zu entschärfen, blieb der Konflikt bis 1933 ungelöst.
Der Reichskunstwart, Edwin Redslob, erhielt den Auftrag, die Frage durch künstlerische und verfassungsrechtliche Mittel beizulegen. Doch seine Vorschläge scheiterten daran, die Gräben zu überbrücken. Bei der Reichspräsidentenwahl 1925 war das Land gespalten in einen „Schwarz-Rot-Golden Volksblock“ und einen „Schwarz-Weiß-Roten Reichsblock“.
Im Mai 1926 erließ Reichspräsident Paul von Hindenburg die „Zweite Flaggenverordnung“, um die Krise zu entschärfen. Das Dekret schrieb vor, dass deutsche diplomatische Vertretungen außerhalb Europas sowohl die Nationalfarben (Schwarz-Rot-Gold) als auch die Handelsflagge (Schwarz-Weiß-Rot) hissen mussten. Doch der Kompromiss erfüllte die Forderungen der Rechten nicht – Reichskanzler Hans Luther sah sich von allen Seiten Kritik ausgesetzt. Hindenburg appellierte später in einem offenen Brief an die Einheit und forderte eine verfassungsgemäße Lösung, doch der Streit schwelte weiter.
Die Zweite Flaggenverordnung konnte die Spaltung nicht überwinden. Diplomatische Vertretungen zeigten zwar beide Flaggen, doch im Inland blieben die Spannungen bestehen. Das Scheitern einer Lösung offenbarten die tiefen politischen Brüche, die Deutschlands stürmische kommende Jahre prägen sollten.






