Warum sich seit Hitzlspergers Coming-out kein Profifußballer mehr geoutet hat
Christos SchwitalWarum sich seit Hitzlspergers Coming-out kein Profifußballer mehr geoutet hat
Seit Thomas Hitzlsperger im Jahr 2014 sein Coming-out hatte, hat sich kein weiterer Profifußballer in Deutschland als schwul geoutet. Trotz Aufrufe zu mehr Offenheit bleibt der Fußball eine schwierige Umgebung für LGBTQ+-Spieler. Mentoren wie Marcus Urban kämpfen weiterhin für Veränderung, doch der Fortschritt ist zäh.
Hitzlsperger sorgte 2014 für Schlagzeilen, als er als erster ehemaliger Nationalspieler Deutschlands öffentlich bekannt gab, schwul zu sein. Seine Ankündigung erhielt große Aufmerksamkeit, darunter auch Lob von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Doch bereits zuvor hatte ihn der damalige Bundestrainer Joachim Löw davon abgeraten, sich früher zu outen – aus Sorge vor öffentlicher Kritik und möglichen Auswirkungen auf seine Leistung.
Marcus Urban, selbst einst ein aufstrebender Fußballer, begleitet heute schwule Spieler als Mentor und hatte für 2024 einen „Coming-Out-Tag“ im Fußball gefordert. Doch kein aktiver Profi folgte dem Aufruf. Schätzungen zufolge könnten in den beiden höchsten deutschen Ligen etwa 45 schwule Spieler aktiv sein – doch keiner von ihnen traut sich, an die Öffentlichkeit zu gehen.
Die Umkleidekabinen-Kultur im Fußball gilt als hart und unwirtlich für schwule Sportler. Christian Dobrick, Jugendtrainer beim FC St. Pauli, berichtet, dass viele talentierte Spieler den Fußball verlassen, um nicht länger ein Doppelleben führen oder Stigmatisierung ausgesetzt zu sein. Andere fürchten, ein Coming-out könnte ihre Vermarktbarkeit und Karrierechancen schädigen – manche verschwenden mehr Energie auf nicht-sportliche Herausforderungen als auf ihre Leistung.
Seit Hitzlsbergers Schritt hat sich kein weiterer Profifußballer in Deutschland geoutet. Die fehlende Offenheit zeigt: Die strukturellen Hürden im Fußball bestehen fort. Noch immer ist die Atmosphäre eine, in der sich viele schwule Spieler für Schweigen statt für Sichtbarkeit entscheiden.






