Warum sich im Männerfußball kaum ein Profi als schwul outet – trotz Fortschritten
Luka BoucseinWarum sich im Männerfußball kaum ein Profi als schwul outet – trotz Fortschritten
Christian Dobrick, U19-Trainer beim FC St. Pauli, hat sich kürzlich als schwul geoutet. Seine Bekanntgabe wirft ein Schlaglicht auf ein hartnäckiges Problem im Männerprofifußball: In den drei höchsten deutschen Ligen hat sich bisher kein aktiver Spieler öffentlich als LGBTQ+ geoutet.
Dobrick kritisierte den Männerprofifußball dafür, schwule Männer wie "Außerirdische" zu behandeln. Trotz Fortschritten in anderen Bereichen werde Homosexualität im Fußball nach wie vor als Tabuthema behandelt, so der Trainer.
Im Frauenfußball spielt die sexuelle Orientierung einer Spielerin schon lange keine Rolle mehr. Doch im Männerfußball hat sich laut öffentlich zugänglichen Daten bis März 2026 kein aktiver Profi in der Bundesliga, 2. Bundesliga oder 3. Liga geoutet.
Uli Hoeneß, ehemaliger Präsident des FC Bayern München, hat sich für mehr Offenheit ausgesprochen. Ein geouteter schwuler Spieler hätte beim FC Bayern München keinerlei Probleme, betonte er. Der Verein würde einen solchen Spieler zudem vor Medien- oder Online-Angriffen schützen.
Auch Fansprecher fordern einen offeneren Umgang mit Homosexualität im Männerfußball. Doch trotz solcher Appelle bleibt das Thema auf Profiebene weitgehend unangetastet.
Dobricks Coming-out lenkt die Aufmerksamkeit erneut auf das Fehlen geouteter schwuler Spieler in den deutschen Topligen. Zwar setzen sich Persönlichkeiten wie Hoeneß und Fangruppen für Veränderung ein – doch der Fußball ringt weiterhin mit der Akzeptanz. Der Kontrast zum Frauenfußball, wo sexuelle Orientierung weitgehend als irrelevant gilt, könnte kaum größer sein.






