03 April 2026, 10:15

Warum Mitarbeiter Scheinproduktivität inszenieren – und was das über die Unternehmenskultur verrät

Großes Großraumbüro mit Menschen an Schreibtischen, Computern, Topfpflanzen, Büchern, Papieren und Säulen; Fenster linien die linke Wand.

Warum Mitarbeiter Scheinproduktivität inszenieren – und was das über die Unternehmenskultur verrät

Eine neue Umfrage zeigt, wie die Unternehmenskultur Mitarbeiter dazu drängt, Sichtbarkeit über tatsächliche Produktivität zu stellen. Immer mehr Arbeitnehmer geben zu, vorgetäuschtes Engagement zu demonstrieren – sei es durch Überstunden, das Versenden von E-Mails außerhalb der Arbeitszeit oder das Liegenlassen persönlicher Gegenstände am Schreibtisch. Die Ergebnisse kommen zu einer Zeit, in der Unternehmen nach Jahren flexibler Arbeitsmodelle während der Pandemie zunehmend strengere Präsenzregeln durchsetzen.

Die von der Jobplattform Indeed durchgeführte Studie ergab, dass 55,9 % der Beschäftigten das Gefühl haben, von ihren Arbeitgebern eher nach ihrer Sichtbarkeit als nach messbaren Ergebnissen beurteilt zu werden. Diese Wahrnehmung führt zu Verhaltensweisen, die den Anschein von Beschäftigung erwecken sollen. So bleibt fast ein Viertel (25,4 %) der Mitarbeiter länger im Büro, einfach weil der Vorgesetzte noch anwesend ist – selbst wenn die eigenen Aufgaben bereits erledigt sind. Weitere 17,3 % lassen eine Jacke oder Tasche am Arbeitsplatz zurück, um den Eindruck zu erwecken, noch vor Ort zu sein.

Auch im Homeoffice passen sich die Gewohnheiten an: Rund 27,7 % stellen ihren Status manuell auf "verfügbar", aus Sorge, sonst als unproduktiv wahrgenommen zu werden. Gleichzeitig verschicken 23,2 % bewusst E-Mails außerhalb der regulären Arbeitszeiten, um Einsatzbereitschaft zu signalisieren. Nur ein Drittel der Beschäftigten (33,3 %) vertraut darauf, dass ihre tatsächlichen Arbeitsergebnisse für sich sprechen.

Der Trend fällt mit einer generellen Rückbesinnung auf die Präsenzkultur zusammen. Unternehmen wie Instagram und Novo Nordisk haben bereits verbindliche Anwesenheitspflichten angekündigt, die ab Anfang 2026 gelten sollen. Doch die Umfrage legt nahe, dass physische Präsenz nicht zwangsläufig zu besserer Leistung führt. Tatsächlich würden 66,2 % der Arbeitnehmer eine Gehaltskürzung von 5 % in Kauf nehmen, wenn ihre Leistung ausschließlich an Ergebnissen und nicht an abgeleisteten Stunden gemessen würde.

Hinter diesen Verhaltensweisen steht für 32,5 % der Befragten eine Kultur des "Präsentismus" – ein System, in dem Sichtbarkeit oft stärker belohnt wird als Effektivität.

Cashback bei deinen
Lieblingsrestaurants und Services

Kaufe Gutscheine und spare in deinen Lieblingsorten in deiner Nähe

LiberSave App auf Smartphones

Die Daten verdeutlichen eine wachsende Diskrepanz zwischen den Erwartungen der Arbeitgeber und den Prioritäten der Beschäftigten. Angesichts der zunehmenden Rückkehrpflicht in die Büros droht der Druck, beschäftigt zu wirken, die eigentliche Produktivität in den Hintergrund zu drängen. Die Ergebnisse deuten zudem darauf hin, dass viele Arbeitnehmer ein System bevorzugen würden, in dem Erfolg nicht an Sichtbarkeit, sondern an nachweisbaren Leistungen gemessen wird.

Quelle