Schwimmende "Energiefische" erobern den Rhein als neues Schwarmkraftwerk
Christos SchwitalSchwimmende "Energiefische" erobern den Rhein als neues Schwarmkraftwerk
Erstmals schwimmendes „Energiefisch“-Kraftwerk in Großserie auf dem Rhein installiert
Ein neuartiges schwimmendes Strömungskraftwerk namens Energyfish wird derzeit in großer Stückzahl auf dem Rhein eingesetzt. Das Unternehmen Energyminer installiert am Standort St. Goar 124 dieser Einheiten und schafft damit das erste Schwarmkraftwerk dieser Art in diesem Umfang. Das System soll kontinuierlich Strom aus der natürlichen Fließbewegung des Flusses erzeugen.
Jede Energyfish-Einheit ist kompakt: 2,8 Meter lang, 2,4 Meter breit und 1,4 Meter hoch bei einem Gewicht von etwa 80 Kilogramm. Eine einzelne Einheit kann bis zu 6 Kilowatt (kW) Leistung erzeugen, während 100 Einheiten zusammen durchschnittlich rund 180 kW liefern. Damit fällt das System in die Kategorie der dezentralen Energieerzeugung und eignet sich besonders für den lokalen Bedarf.
Laut Energyminer lassen sich zehn Einheiten in etwa drei Tagen installieren, sobald die Genehmigungen vorliegen. Der Prozess erfordert keinen Beton, keine Staudämme oder schwere Baumaßnahmen, was die Inbetriebnahme deutlich vereinfacht. Das Unternehmen übernimmt im Paket die Standortbewertung, Verankerung, Verkabelung, Netzanbindung und Wartung.
Die Anlage ist für den ganzjährigen Betrieb ausgelegt, widerstandsfähig gegen Hochwasser und soll Fische nicht gefährden. Zudem verspricht der Hersteller geringen Wartungsaufwand bei grundlastfähiger Stromerzeugung. Allerdings bleiben Flüsse unberechenbar: Saisonale Schwankungen, Niedrigwasser oder Eis können die Leistung dennoch beeinträchtigen.
Energyminer gibt die gestrichenen Stromgestehungskosten mit etwa 0,08 Euro pro Kilowattstunde (kWh) an. Bei einer durchschnittlichen Jahresrendite von mindestens 8 Prozent über eine Laufzeit von 20 Jahren soll jede Einheit rund 15 Megawattstunden (MWh) pro Jahr erzeugen. Ein Schwarm aus 100 Einheiten könnte somit etwa 1,5 Gigawattstunden (GWh) jährlich liefern – genug, um rund 470 Haushalte zu versorgen.
Die Installation in St. Goar markiert einen wichtigen Schritt für die kleinteilige Wasserkraftnutzung. Das System ermöglicht eine schnelle Inbetriebnahme bei minimaler Umweltbelastung. Bei Erfolg könnte es eine zuverlässige, kostengünstige Option für erneuerbare Energien in flussnahen Gemeinden werden.
