Schröder attackiert SPD: "Quatsch mit Soß" und verlorene Realitätsnähe
Klaus-Dieter StahrSchröder attackiert SPD: "Quatsch mit Soß" und verlorene Realitätsnähe
Altkanzler Gerhard Schröder hat die SPD aufgefordert, mutige Reformen voranzutreiben, und warnt, die Partei habe den Bezug zur Realität verloren. In einem jüngsten Eingreifen forderte er die Parteiführung auf, sich an seiner Agenda 2010 zu orientieren und nationale Interessen über interne Machtkämpfe zu stellen. Seine Äußerungen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die SPD wegen ihrer Wirtschaftspolitik und Führungsstruktur massiv in der Kritik steht.
Schröder übt scharfe Kritik an der aktuellen Bundesführung, der er vorwirft, die Wirtschaft zu vernachlässigen und sich zu sehr mit Nebensächlichkeiten zu beschäftigen. Regierungshandeln erfordere es, sich den realen Herausforderungen zu stellen, statt starr an Parteiprogrammen festzuhalten, betonte er. Besonders hart ging der Altkanzler mit dem SPD-Doppelspitzenmodell ins Gericht und bezeichnete es als "Quatsch mit Soß" – stattdessen plädierte er für eine Rückkehr zu einer einzigen, entschlussfreudigen Führungspersönlichkeit.
Er unterstrich die Dringlichkeit einer Rentenreform und verwies darauf, dass die letzte große Reform vor zwei Jahrzehnten unter seiner eigenen Regierung erfolgt sei. 2005 hatte Schröders Reformpaket einen Nachhaltigkeitsfaktor eingeführt und das Renteneintrittsalter schrittweise auf 67 Jahre angehoben. Seither hat die SPD einen Kurswechsel vollzogen und setzt stattdessen auf eine Stärkung der gesetzlichen Rente: Die Ampelkoalition unter Olaf Scholz vereinbarte 2024 ein "Rentenpaket", das bis 2039 eine Nettoersatzquote von 48 Prozent garantiert und bis 2027 beschleunigte Anpassungen beim Renteneintrittsalter vorsieht.
Lob fand Schröder für Vizekanzler Lars Klingbeil, den er als "zweifellos einen guten Menschen" bezeichnete – allerdings mahnte er mehr Rückhalt in der Partei an. Zudem bezog er sich auf jüngste Äußerungen von Cem Özdemir in Baden-Württemberg, wo der Grünen-Politiker dafür plädiert hatte, das Wohl des Landes über Parteinteressen zu stellen – eine Haltung, die Schröder mit seinem eigenen Wahlabend-Bekenntnis von 1998 teilte.
Der Altkanzler bestand darauf, dass Reformen mit "echter Entschlossenheit und Mut" angegangen werden müssten – halbherzige Lösungen würden die drängenden wirtschaftlichen und sozialen Probleme Deutschlands nicht bewältigen. Seine Forderungen nach einer Rückkehr zu Reformen im Stil der Agenda 2010 stehen damit im scharfen Kontrast zum jüngsten SPD-Kurs, der auf einen Ausbau sozialer Sicherungssysteme setzt. Die Partei sieht sich nun vor die Herausforderung gestellt, innere Geschlossenheit mit den Erfordernissen verantwortungsvoller Regierungsarbeit in Einklang zu bringen.






