Proteste gegen drittes LNG-Terminal in Wilhelmshaven eskalieren
Klaus-Dieter StahrProteste gegen drittes LNG-Terminal in Wilhelmshaven eskalieren
Rund 80 Demonstranten versammelten sich am Hooksiel Außenhafen, um gegen Pläne für ein drittes LNG-Terminal in der Nähe von Wilhelmshaven zu protestieren. Die von Aktivisten der Bewegung Fridays for Future angeführte Kundgebung richtete sich gegen die Klimarisiken und den Ausbau fossiler Energien in einer Region, die bereits besonders anfällig für Umweltbedrohungen ist.
Lokale und internationale Gruppen haben sich gegen das Projekt zusammengeschlossen und argumentieren, es gefährde sowohl Naturschutzbemühungen als auch die langfristige Klimastabilität.
Im Fokus der Proteste stehen Pläne für ein neues Flüssiggas-Terminal am Voslapper Groden-Nord, einem Gebiet, das als Biodiversitäts-Hotspot mit über 600 Arten gilt – viele davon vom Aussterben bedroht. Aktivisten wie Martin Lüdders von Fridays for Future warnten, Wilhelmshaven verzeichne laut Klimarisikoindex das höchste Klimarisiko Deutschlands.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat sich mit dem BUND und dem NABU zu einem Bündnis gegen das Terminal zusammengeschlossen. Sie haben rechtliche Einsprüche gegen den Bebauungsplan Nr. 225, städtebauliche Verfahren sowie geplante Änderungen von Naturschutzbestimmungen eingelegt. Milena Pressentin von der DUH äußerte die Befürchtung, dass sich die fossile Energiewirtschaft weiter in geschützte Gebiete ausdehnen könnte, sollte das Projekt realisiert werden.
James Hiatt von der US-amerikanischen Anti-Fracking-Gruppe For a Better Bayou bezeichnete die Problematik als mehr als nur eine Frage der Energiepolitik und kritisierte eine Kultur des Individualismus, die kollektives Klimahandeln untergrabe. Unterdessen verteidigte Wilhelmshavens Stadtplanungschef Niksa Marusic die geplanten Änderungen und behauptete, sie dienten sowohl der Energiesicherheit als auch den Klimazielen.
Seit 2022 wurden entlang der deutschen Nord- und Ostseeküste vier LNG-Terminals errichtet. Während Wilhelmshaven als Standort für ein drittes Terminal feststeht, sind die genauen Standorte der drei weiteren in öffentlichen Unterlagen nicht näher spezifiziert.
Die Klagen und Proteste spiegeln den wachsenden Widerstand gegen fossile Infrastruktur in ökologisch sensiblen Regionen wider. Da die Nordseeküste bereits als besonders klimagefährdet gilt, könnte der Ausgang dieses Konflikts künftige Energie- und Naturschutzpolitiken in der Region prägen.
Die Einwände des Bündnisses durchlaufen nun verwaltungsrechtliche und gerichtliche Instanzen, während die lokalen Behörden betonen, das Terminal entspreche den nationalen Energieprioritäten.






