15 March 2026, 08:12

OAZ startet als neue Stimme Ostdeutschlands – mit ehrgeizigen Zielen und Kritik

Eine Zeitung mit darauf gedrucktem Text.

OAZ startet als neue Stimme Ostdeutschlands – mit ehrgeizigen Zielen und Kritik

"Ostdeutsche Allgemeine Zeitung" (OAZ): Eine neue Stimme für Ostdeutschland

Ende Februar 2026 ging mit der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung (OAZ) eine neue Tageszeitung an den Start – mit einem ehrgeizigen Ziel: Ostdeutschland soll im nationalen Diskurs mehr Gewicht erhalten. Gegründet vom Verleger Holger Friedrich, setzt das Blatt Schwerpunkte wie den Ukraine-Krieg, Migration und Wirtschaftsthemen – stets aus einer ostdeutschen Perspektive, die ihre Macher seit langem vernachlässigt sehen. Seit der ersten Ausgabe in Dresden sorgt die OAZ sowohl für Interesse als auch für Kritik, insbesondere wegen ihrer Personalentscheidungen und Marketingstrategie.

Ein Alleinstellungsmerkmal der OAZ ist der Verzicht auf staatliche Förderung. Stattdessen setzt sie auf ein Abo-Modell und strebt an, in jeder größeren ostdeutschen Stadt 5.000 Abonnenten zu gewinnen, um wirtschaftlich tragfähig zu werden. Geplant ist zudem der Aufbau lokaler Redaktionen in ehemaligen DDR-Bezirksstädten, um den Regionalbezug zu stärken. Friedrich, der auch die Berliner Zeitung herausgibt, hat offen erklärt, dass die OAZ den ostdeutschen Medienmarkt dominieren soll.

Medienkongress: Digitalisierung, KI und die Zukunft des Journalismus

Unterdessen diskutierten Branchenvertreter auf dem zweiten Kongress "Die Zukunft der deutschen Medien", veranstaltet vom Medienhaus Madsack, über die aktuellen Herausforderungen des Journalismus. Madsack-Chef Thomas Düffert kritisierte die deutsche Medienpolitik als Hemmschuh für die digitale Transformation. Veraltete Regularien erstickten Innovationen und erschwerten Verlagen die Anpassung an neue Gegebenheiten, so Düffert.

Ein weiteres zentrales Thema war die wachsende Bedrohung durch KI-generierte Inhalte, die den Glaubwürdigkeit des Journalismus untergraben. Altbundespräsident Joachim Gauck rief Medienhäuser auf, die Demokratie mit Entschlossenheit, Fantasie und Mut zu verteidigen. Düffert stellte Madsacks Fokus auf lokalen Journalismus dem Ansatz der OAZ gegenüber und betonte, dass nachhaltige digitale Geschäftsmodelle – und nicht nur Print – heute überlebensnotwendig seien.

Angesichts sinkender Print-Erlöse waren sich die Experten einig: Starke, vertrauenswürdige Marken werden entscheidend sein, um sich in einer zunehmend zersplitterten Medienlandschaft zu behaupten.

Ungewisse Zukunft: Kann die OAZ sich durchsetzen?

Die Gründung der OAZ markiert einen wichtigen Moment für die ostdeutsche Medienlandschaft, doch ihr langfristiger Erfolg ist noch nicht ausgemacht. Ohne belastbare Daten zur Marktposition bleibt unklar, ob sich das Blatt gegen etablierte Regionalmedien behaupten kann. Die Branche insgesamt ringt unterdessen weiter mit dem digitalen Wandel, politischen Hürden und der Suche nach neuen Einnahmequellen, um qualitativ hochwertigen Journalismus zu finanzieren.

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