Niedersachsen will Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 durchsetzen
Herlinde JungferNiedersachsen will Social-Media-Verbot für Kinder unter 14 durchsetzen
Niedersachsen fordert strengere Kontrollen für Social-Media-Nutzung von Kindern
Das Bundesland Niedersachsen setzt sich für schärfere Regeln beim Social-Media-Konsum von Kindern ein. Ein geplantes Verbot soll den Zugang für unter 14-Jährige sperren, während die Bundesregierung europaweite Altersüberprüfungen vorantreibt. Behörden warnen, dass die aktuellen Schutzmechanismen Minderjährige nicht ausreichend vor süchtig machenden Plattformdesigns und schädlichen Inhalten bewahren.
Der Vorstoß erfolgt vor dem Hintergrund wiederkehrender Kritik an der mangelhaften Altersverifikation auf großen Plattformen – trotz früherer Bemühungen der EU, strengere Vorschriften durchzusetzen. Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) betonte die Gefahren, denen Kinder in sozialen Netzwerken ausgesetzt seien, und bezeichnete sie als "wehrlos" gegen suchtfördernde Algorithmen. Er forderte wirksamere Schutzmaßnahmen, um die Konfrontation mit schädlichen Inhalten und manipulativen Designelementen einzudämmen. Seine Landesregierung unterstützt nun ein vollständiges Nutzungsverbot für unter 14-Jährige mit der Begründung, dass bestehende Altersbeschränkungen – wie das Mindestalter von 13 Jahren bei Meta und TikTok – kaum kontrolliert würden.
Auf Bundesebene schlug Europa-Staatsministerin Melanie Walter (Grüne) ein verpflichtendes Altersverifikationssystem für ganz Europa vor. Der Plan sieht vor, die digitale EU-Identität (EUDI Wallet) zur altersgerechten Überprüfung einzusetzen, ohne die Privatsphäre der Nutzer zu beeinträchtigen. Der Vorstoß kommt zu einer Zeit, in der viele Social-Media-Unternehmen mit Sitz in Irland weiterhin strengere Kontrollen ablehnen. Die EU-Kommission hatte zwar bereits 2025 datenschutzfreundliche Überprüfungsmechanismen angekündigt, doch die Plattformen haben diese noch nicht umgesetzt.
Die Bundesregierung strebt zudem einen altersgerechten Zugang für unter 16-Jährige an – frei von KI-gesteuerten Empfehlungen und suchtfördernden Funktionen. Frühere Versuche Frankreichs und Italiens, im Rahmen des Digital Services Act (DSA) teilweise verbindliche Regelungen einzuführen, scheiterten an einer zuverlässigen Umsetzung. Experten warnen, dass ungelöste Datenschutzrisiken und technische Hürden eine einheitliche Durchsetzung weiterhin erschweren.
Niedersachsens geplantes Verbot und der bundesweite Appell für EU-weite Alterskontrollen zeigen den wachsenden Druck auf Social-Media-Unternehmen. Sollten die Maßnahmen beschlossen werden, müssten Plattformen erstmals wirksame Altersüberprüfungen einführen. Die Folgen könnten das Nutzerverhalten von Minderjährigen in ganz Europa nachhaltig verändern.






