Meyer Werft stoppt Produktion für sechs Wochen wegen Auftragsflaute und Pandemie-Folgen
Herlinde JungferMeyer Werft stoppt Produktion für sechs Wochen wegen Auftragsflaute und Pandemie-Folgen
Meyer Werft stellt Produktion für sechs Wochen ein
Die deutsche Werft Meyer Werft wird ab dem 20. Juli für sechs Wochen die Produktion pausieren, nachdem die Aufträge für Kreuzfahrtschiffe stark zurückgegangen sind. Das Unternehmen, das unter den finanziellen Folgen der COVID-19-Pandemie leidet, verhandelt zudem mit den Mitarbeitenden über Kurzarbeit bis Ende des Jahres.
Unternehmenschef Bernard Meyer bezeichnete die Lage als "prekär", obwohl der Luxus-Kreuzfahrtmarkt nach den drastischen Einbrüchen im Jahr 2020 Anzeichen einer Erholung zeigt.
Die Pandemie traf Meyer Werft hart: Weltweite Lockdowns und Reisebeschränkungen ließen die Nachfrage nach Luxuskreuzfahrten einbrechen. Die Zahl der deutschen Kreuzfahrtpassagiere sank von 3,7 Millionen im Jahr 2019 auf nur noch 1,4 Millionen 2020. Bestellungen für neue Schiffe wurden storniert oder verschoben, sodass die Werft mit unvollendeten Projekten zurückblieb – darunter die verzögerte Auslieferung der Iona von P&O aufgrund von COVID-19-Auflagen.
Trotz der jüngsten Branchen-Erholung – die Buchungen für 2024 erreichten mit 3,8 Millionen Passagieren einen Rekord und übertreffen damit das Niveau vor der Pandemie – kämpft das Unternehmen weiterhin mit Schwierigkeiten. Meyer Werft plant, die Kosten in den nächsten fünf Jahren um 1,2 Milliarden Euro zu senken. Rund 3.000 Beschäftigten stehen noch 14 Millionen Euro an ausstehendem Urlaubsgeld zu, das 2020 gestundet wurde.
Die Werft beantragt finanzielle Hilfen bei der Bundesregierung und dem Land Niedersachsen. Gleichzeitig laufen Verhandlungen mit Kunden über verschobene Aufträge, während mit Betriebsräten über eine Reduzierung der Arbeitszeiten gesprochen wird, um die Krise zu bewältigen.
Die vorübergehende Schließung und die Sparmaßnahmen von Meyer Werft spiegeln die anhaltenden Herausforderungen wider – trotz der Erholung des Kreuzfahrtmarkts. Die Zukunft des Unternehmens hängt davon ab, staatliche Unterstützung zu sichern und die Geschäfte im 225. Jahr seines Bestehens zu stabilisieren.
Sowohl Belegschaft als auch Führung warten nun auf Lösungen für die ausstehenden Lohnzahlungen und langfristige Finanzpläne.