Lohnbetrug in Sachsen-Anhalt: Kontrollen brechen ein – viele verdienen unter Tarif
Klaus-Dieter StahrLohnbetrug in Sachsen-Anhalt: Kontrollen brechen ein – viele verdienen unter Tarif
Lohnbetrugsbekämpfung in Sachsen-Anhalt bricht dramatisch ein – viele Beschäftigte verdienen unter Tarif
Neue Zahlen zeigen: Die Kontrollen durch die Finanzkontrolle illegaler Beschäftigung (FKS) in Sachsen-Anhalt sind seit 2022 um mehr als die Hälfte eingebrochen. Kritiker warnen, dass die lasche Aufsicht Unterbezahlung im gesamten Bundesland begünstigt und viele Arbeitnehmer:innen ohne angemessenen Lohnschutz dastehen.
Noch 2022 führte die FKS in Sachsen-Anhalt 1.598 Betriebsprüfungen durch – doch bis 2025 sank diese Zahl auf nur noch 691, weniger als die Hälfte des ursprünglichen Niveaus. Die Kontrolldichte liegt damit bei gerade einmal 42,4 Prozent des Standes von vor drei Jahren. Für Unternehmen bedeutet das: Sie müssen deutlich seltener mit Überprüfungen rechnen.
Der Rückgang der Kontrollen fällt in eine Zeit, in der 23,3 Prozent aller Beschäftigten im Land weniger als 15 Euro pro Stunde verdienen. In Betrieben ohne Tarifbindung sind es sogar 35 Prozent. Der gesetzliche Mindestlohn liegt aktuell bei 13,90 Euro und soll 2027 auf 14,60 Euro steigen. Doch mit immer weniger Prüfungen bleiben Verstöße oft unentdeckt.
"Das ist ein Skandal", kritisiert David Schliesing, Abgeordneten der Linken. Er fordert dringend Gegenmaßnahmen: spezielle Staatsanwält:innen für Lohnbetrugsfälle und mehr Personal beim Zoll, um die Kontrollquote zu erhöhen. Die aktuellen Daten zeigen, dass ein Betrieb in Sachsen-Anhalt statistisch nur alle 90 Jahre mit einer Zollprüfung rechnen muss. In der Landwirtschaft ist die Situation noch eklatanter – hier steht eine Kontrolle im Schnitt nur alle 234 Jahre an.
Der Rückgang der Überwachung geht einher mit einem schrumpfenden Wirtschaftsstandort: Zwischen 2022 und 2025 sank die Zahl der registrierten Unternehmen in Sachsen-Anhalt von 65.738 auf 62.211.
Bei Rekordtiefs bei den Kontrollen droht sich Lohnbetrug in Sachsen-Anhalt weiter auszubreiten. Beschäftigte, die unter Mindestlohn bezahlt werden, haben kaum Schutz, während Unternehmen kaum noch mit Konsequenzen rechnen müssen. Ohne eine deutliche Verschärfung der Kontrollen wird sich die Unterbezahlung in zentralen Branchen weiter verfestigen.






