Künstlerischer Bruch: Warum Senftenbergs Theaterleiter vorzeitig gehen muss
Klaus-Dieter StahrKünstlerischer Bruch: Warum Senftenbergs Theaterleiter vorzeitig gehen muss
Das Neue Theater Senftenberg sorgt wieder für regionale Schlagzeilen – wie zu Zeiten der DDR. Trotz gestiegener Bekanntheit und verbesserten Finanzen wird der künstlerische Leiter Daniel Ris nicht verlängert. Die Entscheidung entfacht eine Debatte über künstlerische Freiheit, lokale Politik und die Zukunft des Hauses.
Ris hatte 2022 die Leitung übernommen, mit einem bis 2027 laufenden Fünfjahresvertrag. Doch bereits im März 2023 erhielt er die Mitteilung, dass dieser nicht fortgesetzt wird. Die Stadt Senftenberg und der Landkreis Oberspreewald-Lausitz, die das Theater finanzieren, wollen die Stelle nun neu ausschreiben – ein klares Signal für einen geplanten Wechsel.
Ris weist die Vorwürfe der Träger zurück, darunter mangelnde Führungskompetenz und strukturelle Defizite. Ende August widersprach er öffentlich den Anschuldigungen, er habe einen Schaden von 250.000 Euro verursacht und sich unkooperativ verhalten. Unter seiner Leitung stiegen die Besucherzahlen, und mit mutigen Saisoneröffnungen an historischen Orten festigte er den Ruf des Theaters in der Region.
Die jüngste Produktion in der Niederlausitz-Halle verbindet scharfe Debatten mit Unterhaltung. Sie thematisiert den militaristischen DDR-Sport, deutet Doping-Skandale an und hinterfragt blinden Leistungskult. Doch der provokante Ton könnte auf lokale Befindlichkeiten gestoßen sein: Senftenbergs Bürgermeister Andreas Pfeiffer, der Ris' künstlerische Qualität anerkennt, sprach von "Einstellungsproblemen" in der von der AfD geprägten Region.
Seit seiner faktischen Entlassung äußert Ris Frustration, bleibt aber auf seine vierte Spielzeit fokussiert. Gleichzeitig sondiert er bereits neue Möglichkeiten und war zu einem ersten Vorstellungsgespräch außerhalb Senftenbergs.
Der Konflikt stellt das Neue Theater Senftenberg vor eine Zäsur. Ris' Abgang folgt auf Jahre wachsender Zuschauerzahlen und Einnahmen, doch die Träger bestehen auf einen Neuanfang. Ohne konkrete Reformpläne hängt die Zukunft des Hauses – und ob es seinen Aufschwung hält – nun vom neuen Leitungspersonal ab.






