Kulturminister Weimer schließt drei Buchhandlungen vom Buchhandelspreis aus
Klaus-Dieter StahrKulturminister Weimer schließt drei Buchhandlungen vom Buchhandelspreis aus
Kulturminister Weimer streicht drei Buchhandlungen von der Shortlist für den Deutschen Buchhandelspreis
Bundes Kulturminister Wolfram Weimer hat drei Buchhandlungen von der engen Auswahl für den Deutschen Buchhandelspreis ausgeschlossen. Der Schritt erfolgte nach Vorwürfen wegen "verfassungsschutzrelevanter Erkenntnisse" und löste scharfe Kritik von Gewerkschaften und der Verlagsbranche aus.
Betroffen sind die Buchhandlungen Rote Straße in Göttingen, Zur schwankenden Weltkugel in Berlin und The Golden Shop in Bremen, die zuvor von einer unabhängigen Jury ausgewählt worden waren.
Weimer begründete den Ausschluss mit Hinweisen des Bundesamts für Verfassungsschutz. Er argumentierte, dass steuerfinanzierte Preise nicht an "Staatsfeinde" vergeben werden dürften, und leitete das Haber-Verfahren ein, um die Entscheidung zu überprüfen. Die Maßnahme stieß bei ver.di, Deutschlands größter Gewerkschaft, auf heftigen Widerstand.
Andrea Wemheuer, Leiterin des ver.di-Landesbezirks, nannte die Entscheidung "katastrophal" und eine direkte Bedrohung für die kulturelle Freiheit. Sie betonte, Buchhandlungen seien unverzichtbare Orte des offenen Austauschs, und warnte vor politischer Einmischung in die Kunst. Die Gewerkschaft zeigte sich solidarisch mit den betroffenen Buchhandlungen, von denen zwei – Rote Straße und The Golden Shop – ver.di angehören.
Die Unterstützung für die ausgeschlossenen Buchhandlungen wächst rasant in Verlags- und Buchhandelskreisen. Wemheuer verwies darauf, dass sich Branchenvertreter hinter die Läden stellten und Weimers Vorgehen als Kompetenzüberschreitung verurteilten. Die Kontroverse wirft nun Fragen zur Unabhängigkeit kultureller Auszeichnungen in Deutschland auf.
Der Ausschluss der drei Buchhandlungen hat eine grundsätzliche Debatte über staatlichen Einfluss auf Kulturpreise entfacht. Mit ver.di und Branchenführenden an ihrer Seite gerät Weimer zunehmend unter Druck, seine Entscheidung zu erklären. Das Ergebnis könnte präzedenzwirksam sein für die künftige Rolle politischer Erwägungen bei der Vergabe von Preisen.