06 June 2026, 14:08

"Horror-Heim" vor Gericht: Wie vier Pflegekräfte Senioren jahrelang quälten

Was wirklich passiert im Linde House?

"Horror-Heim" vor Gericht: Wie vier Pflegekräfte Senioren jahrelang quälten

Ein deutsches Pflegeheim, das die Welt einst als „Horror-Heim“ bezeichnete, steht nun im Mittelpunkt eines erschütternden Misshandlungsprozesses. Vier ehemalige Mitarbeiter – darunter das Ehepaar, das das „Haus Linde“ leitete – müssen sich wegen Freiheitsberaubung, Betrugs und schwerer Körperverletzung verantworten. Den Angeklagten wird vorgeworfen, Bewohner jahrelang systematisch übermedikamentiert zu haben.

Im Zentrum des Verfahrens stehen Vorwürfe, wonach pflegebedürftige Senioren zwischen 2017 und 2020 mit hohen Dosen Beruhigungs-, Schlaf- und antipsychotischer Medikamente ruhiggestellt, ans Bett gefesselt und sogar in ihren Zimmern eingeschlossen wurden. Die Staatsanwaltschaft wirft den Beschuldigten vor, den Bewohnern des „Haus Linde“ rund um die Uhr übermäßige Mengen dieser Mittel verabreicht zu haben. Zwei Opfer, Rosemarie B. und Victor D., sollen unter diesem Regime rapide verfallen sein: Rosemarie war laut Anklage bereits nach sechs Monaten bettlägerig, Victor soll so stark sediert worden sein, dass er sein Zimmer nicht mehr verlassen konnte, sich nicht einmal mehr aufsetzen oder selbstständig essen konnte.

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Die Angeklagten – Ralf S., Iris S., die Heimleiterin Kathrin G. und die leitende Pflegekraft Angela F. – sollen ein System etabliert haben, in dem Bewohner gezielt in einen schlechteren Gesundheitszustand versetzt wurden. Durch die künstliche Verschlechterung ihres Zustands hätten die Mitarbeiter höhere Pflegegrade erwirkt und so die Finanzierung der Einrichtung in die Höhe getrieben. Die Ermittler betonen jedoch, dass die früheren Besitzer persönlich keine finanziellen Vorteile aus der Übermedikation gezogen hätten.

Tägliche Besprechungen gehörten laut Ermittlungen zur Routine – oft schalteten sich Ralf und Iris S. dabei von ihrem Anwesen auf Mallorca per Telefon zu. Dies deute, so die Ermittler, auf ein „lückenloses Kontrollregime“ über Mitarbeiter und Bewohner hin. Das System flog im Sommer 2020 auf, als die Behörden das Heim durchsuchten. Kurze Zeit später verkauften die beiden die Einrichtung für mehrere Millionen Euro.

Der Prozess, der in diesem Jahr begonnen hat, wird in der kommenden Woche fortgesetzt. Mit über fünfzig Verhandlungstagen bis Januar 2027 könnte sich das Verfahren über Jahre hinziehen. Die vier Angeklagten warten nun auf die weiteren Ermittlungen in einem der schlimmsten Pflegeheimskandale Deutschlands. Bei einer Verurteilung drohen ihnen harte Strafen für die angebliche Misshandlung, den Betrug und die systematische Schlechterbehandlung der alten Menschen. Das Urteil könnte zudem eine breitere Debatte über Versäumnisse bei der Aufsicht im deutschen Langzeitpflegebereich auslösen.

Quelle