07 May 2026, 12:20

Halberstadts verlorene jüdische Geschichte und ihr überraschendes Erbe

Rechteckige Plakette mit der Inschrift "Adolf Abraham" an einer Steinwand angebracht.

Halberstadts verlorene jüdische Geschichte und ihr überraschendes Erbe

Halberstadts jüdische Geschichte wurde während der NS-Zeit fast ausgelöscht – zwischen 1938 und 1942 wurde die Gemeinde zerstört. Die letzten verbliebenen Juden wurden 1942 deportiert und hinterließen eine Stadt, die von Verlust gezeichnet war. Jahrzehnte später entstanden auf unerwartete Weise Bemühungen, diese Vergangenheit zu erinnern – und mitunter neu zu gestalten.

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Die Zerstörung der jüdischen Gemeinde Halberstadts begann 1938 und gipfelte vier Jahre später in der Deportation ihrer letzten Mitglieder. Die Rathaustraße, einst eine zentrale Straße der Stadt, wurde 1938 abgerissen und später als Rathauspassagen wiederaufgebaut – ihre ursprüngliche Form war damit getilgt.

1949 wurde am Standort des ehemaligen Konzentrationslagers Langenstein-Zwieberge bei Halberstadt ein Mahnmal enthüllt. Es ehrte die Opfer von Zwangsarbeit und zählte zu den frühesten Gedenkstätten dieser Art im Nachkriegsdeutschland. Zwanzig Jahre später, 1969, wurde das Denkmal im Sinne sozialistischer Ideale umgestaltet – fortan diente es als Ort für Treuegelübde und politische Schulung.

Auch andere Überreste des Lagers wurden in der DDR zweckentfremdet: In den 1970er-Jahren nutzte die Nationalen Volksarmee das Tunnelsystem als militärisches Depot. Dennoch blieben jüdische Stimmen im kulturellen Leben der DDR präsent. Die niederländische Widerstandskämpferin Lin Jaldati ließ sich 1952 in der DDR nieder und nahm in Ost-Berlin drei Langspielplatten auf. 1969 veröffentlichten die Holocaust-Überlebenden Peter Edel und Jurek Becker ihre Romane in der DDR – literarische Zeugnisse einer oft verdrängten Geschichte.

Erst jüngst untersuchte Philipp Graf in seinem Buch „Verweigerte Erinnerung“ die jüdische Geschichte Halberstadts unter sozialistischen Vorzeichen und zeigte auf, wie sich Erinnerung und Ideologie in den Jahrzehnten nach dem Krieg verflochten.

Das Erbe der jüdischen Gemeinde Halberstadts lebt in Fragmenten weiter – in umgestalteten Straßen, umgenutzten Ruinen und verstreuten kulturellen Werken. Denkmäler, Bücher und Musik haben Teile dieser Geschichte bewahrt, auch wenn politische Umbrüche ihre Deutung immer wieder veränderten. Heute bieten diese Spuren eine Aufzeichnung dessen, was verloren ging – und wie es im Gedächtnis blieb.

Quelle