GDL-Chef Reißen wirft der Bahn "Geldwäschemaschine" und Führungsversagen vor
Klaus-Dieter StahrGDL-Chef Reißen wirft der Bahn "Geldwäschemaschine" und Führungsversagen vor
Mario Reißen, Chef der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), hat die Deutsche Bahn (DB) scharf für ihr finanzielles Missmanagement kritisiert. Er bezeichnete die komplexen Strukturen des Unternehmens als eine "Geldwäschemaschine" und stellte jüngste Führungsentscheidungen infrage.
Reißen richtete seine Kritik auch direkt an DB-Vorstandschefin Evelyn Palla und forderte von ihr mehr Taten statt leerer Versprechungen. Der Gewerkschafter warf der Bahn vor, ein übermäßig kompliziertes Finanzsystem geschaffen zu haben. So werde intern zwischen eigenen Dienstleistungen abgerechnet, und unter dem Dach der DB AG existierten Hunderte von Tochtergesellschaften. Zeitweise habe es über 1.000 dieser Beteiligungen gegeben – mittlerweile seien es noch knapp unter 600.
Reißen unterstützte Pallas jüngsten Beschluss, die Führungsebene um die Hälfte zu verkleinern, um die Betriebsergebnisse zu verbessern. Auch billigte er ihre Entlassung von Sigrid Nikutta, Chefin von DB Cargo, sowie der Finanzvorständin Karin Dohm. Allerdings äußerte er Unverständnis über Dohms Ernennung, da sie für die Position nicht qualifiziert gewesen sei.
Der Gewerkschaftsführer warnte, dass Dohms Berufung voraussichtlich zu weiteren Kontroversen und höheren Kosten für die Steuerzahler führen werde. Besserer Corporate Governance und konsequentes Management könnten seiner Meinung nach die Produktivität steigern und den Fernverkehr verbessern. Trotz der aktuellen Probleme sieht Reißen die DB dank neuer Züge und moderner Technik nicht in einer existenzbedrohenden Krise.
Er drängte Palla, die Kontrolle über das Schienennetz entschlossener zu übernehmen und sich auf konkrete Maßnahmen statt auf Ankündigungen zu konzentrieren. Reißens Kritik unterstreicht die anhaltenden Bedenken hinsichtlich der finanziellen Transparenz und der Personalentscheidungen bei der DB. Seine Forderungen nach Reformen kommen zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen unter Druck steht, seine Abläufe zu straffen und Ineffizienzen abzubauen. Die Äußerungen des Gewerkschaftschefs deuten auf weitere Konflikte um Führungsentscheidungen in den kommenden Monaten hin.






