21 March 2026, 20:13

Finanzkrise und Boykotte: Warum Berlins Haus der Kulturen der Welt am Abgrund steht

Plakat für die Berliner Secession mit einer Frau in einem grünen Kleid und einem Mann in einem schwarzen Anzug mit Textbeschreibung des Ereignisses.

Finanzkrise und Boykotte: Warum Berlins Haus der Kulturen der Welt am Abgrund steht

Berlins Haus der Kulturen der Welt (HKW) steckt in einer tiefen Finanzkrise – nach Jahren politischer Kontroversen. Die Bundesregierung kürzte den Etat für 2024 drastisch von 12 Millionen auf nur noch 3,5 Millionen Euro und begründete dies mit Kritik an der "woken" und postkolonialen Ausrichtung des Hauses. Die Streichungen lösten Proteste aus, führten zu Notfallhilfen des Berliner Senats und werfen zunehmend Fragen zur Zukunft der Institution über das Jahr 2025 hinaus auf.

Das HKW, nur wenige Schritte vom Kanzleramt entfernt, wurde von der Bundespolitik lange stiefmütterlich behandelt. 2023 schrieb es Geschichte, als mit dem kamerunischen Biologen Bonaventure Soh Bejeng Ndikung erstmals ein Schwarzer Intendant berufen wurde – an der Spitze eines ausschließlich aus People of Color bestehenden Teams. Doch sein Fokus auf postkoloniale Themen stieß im deutschen Kulturbetrieb auf scharfe Ablehnung.

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Die Auseinandersetzungen spitzten sich Ende 2024 zu, als dem schwäbischen Rapper Chefket – einem "Rap-Botschafter" des Goethe-Instituts – sein Auftritt im HKW abgesagt wurde. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer griff ein, nachdem Chefket bei einem Auftritt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Palästina" trug, das arabische Kalligrafie und eine Umrisskarte Israels zeigte. Die Entscheidung löste Empörung aus: Aus Solidarität sagten daraufhin alle anderen deutschen Künstler ihre Auftritte im HKW ab. Der Eklat beschädigte den internationalen Ruf des Hauses schwer und überschatte selbst Events wie das jüngste Konzert des haitianischen Saxophonisten Jowee Omicil.

Versuche, das Interesse wiederzubeleben – etwa mit der Ausstellung "Die Möglichkeit der Unvernunft" des Satirikers Jan Böhmermann – blieben wirkungslos. Zwar sprang der Berliner Senat mit vorübergehenden Hilfen ein, doch die Finanzierung ab 2026 bleibt ungewiss.

Das HKW kämpft nun mit finanzieller Not und einem ramponierten Image. Angesichts der radikalen Kürzungen durch den Bund und der anhaltenden Künstlerboykotte steht die Fähigkeit des Hauses, internationale Veranstaltungen auszurichten, auf dem Spiel. Der Streit um Programmgestaltung und politische Einmischung zeigt keine Anzeichen einer Lösung.

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