EMAF zeigt umstrittenen Kurzfilm trotz Antisemitismus-Vorwürfen gegen Regisseurin
Klaus-Dieter StahrEMAF zeigt umstrittenen Kurzfilm trotz Antisemitismus-Vorwürfen gegen Regisseurin
Das Europäische Medienkunstfestival (EMAF) in Osnabrück hat beschlossen, einen Kurzfilm einer Regisseurin zu zeigen, der Antisemitismus vorgeworfen wird. Die Entscheidung hat eine Debatte unter Kommunal- und Landespolitikern ausgelöst, doch die städtische Förderung für das Festival bleibt unverändert. Während einige Politiker die Auswahl verurteilen, verteidigen andere sie als Frage der künstlerischen Freiheit und des offenen Dialogs.
Im Mittelpunkt der Kontroverse steht die palästinensische Regisseurin Al-Sharif, deren Kurzfilm "Morning Circle" in diesem Jahr beim EMAF gezeigt wird. Kritiker verweisen weniger auf den Film selbst als auf ihre früheren Äußerungen in sozialen Medien und angebliche Unterstützung für die BDS-Bewegung (Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen). Das diesjährige Festivalmotto "An Incomplete Assembly" thematisiert das Spannungsfeld zwischen künstlerischem Ausdruck und Verantwortung.
Der Osnabrücker Kulturdezernent Wolfgang Beckermann gab zu, dass er es vorgezogen hätte, Al-Sharifs Werk aus dem Programm zu nehmen, um den Eindruck einer Förderung von Antisemitismus zu vermeiden. Unterdessen haben sich der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies und die Stadtverwaltung öffentlich von der Festivalentscheidung distanziert. Die Landesregierung betonte zwar, die Programmhoheit des EMAF zu respektieren, lehne Antisemitismus jedoch entschieden ab und setze sich für ein respektvolles Miteinander ein.
Thomas Groß, Oberbürgermeisterkandidat der Linken in Osnabrück, argumentierte, dass das Unterdrücken palästinensischer Stimmen unter dem Vorwand der Antisemitismusbekämpfung kaum zum Frieden im Nahen Osten beitrage. Das EMAF seinerseits hat in seinem Programm auch jüdische und israelische Perspektiven berücksichtigt und in der Vergangenheit mit palästinensischen Künstlern zusammengearbeitet. Die Haltung des Festivals spiegelt eine bundesweite Debatte über Kulturförderung und Zensur wider – besonders vor dem Hintergrund der jüngsten Spannungen bei der Berlinale, wo Äußerungen einer syrisch-palästinensischen Regisseurin Forderungen nach dem Rücktritt des Festivalleiters auslösten.
Auf Bundesebene diskutiert die Koalition aus CDU, CSU und SPD über den Ausschluss antisemitischer oder rassistischer Kunst von staatlicher Förderung, selbst ohne rechtliche Grundlage. Einige Politiker haben Teile des Kulturbereichs wegen angeblichen Linksextremismus und Antisemitismus unter verstärkte Beobachtung gestellt. Trotz der Kritik bleibt die Förderung des EMAF durch die Stadt Osnabrück gesichert, und das Festival hat keine Änderungen am Programm vorgenommen.
Die Vorstellung von Al-Sharifs Film wird wie geplant stattfinden; das EMAF steht hinter seinen Programmentscheidungen. Kommunal- und Landespolitiker haben zwar ihre Ablehnung von Antisemitismus deutlich gemacht, greifen aber nicht in die Festivalorganisation ein. Die Diskussion zeigt die anhaltenden Spannungen zwischen künstlerischer Freiheit, politischer Äußerung und den Grenzen öffentlicher Förderung auf.






