Apotheker attackiert Günther Jauch wegen Werbung für ausländische Online-Apotheken
Klaus-Dieter StahrApotheker attackiert Günther Jauch wegen Werbung für ausländische Online-Apotheken
Gernot Pohl, Inhaber der Marien-Apotheke in Saal an der Donau, hat den TV-Moderator Günther Jauch scharf kritisiert, weil dieser ausländische Online-Apotheken bewirbt. In einem öffentlich veröffentlichten Video warf Pohl Jauch vor, mit dieser Praxis der deutschen Wirtschaft und den lokalen Gemeinschaften zu schaden. Zudem warnte er, dass bis zu 500 Apotheken bis 2025 endgültig schließen könnten, sollten sich die aktuellen Belastungen weiter verschärfen.
Pohl verwies auf die zunehmende finanzielle Not unabhängiger Apotheken. Die steigenden Betriebskosten – seit 2013 um 65 Prozent gestiegen – würden nicht durch höhere Vergütungen ausgeglichen. Die Zahl der Insolvenzen habe sich dramatisch erhöht: von 19 Fällen im Jahr 2023 auf 40 in diesem Jahr, mit weiteren 44 erwarteten Pleiten für 2025. Bis Ende 2025 könnte Deutschland so insgesamt 440 Apotheken verlieren, vor allem in städtischen Gebieten.
Der Apotheker machte mehrere Faktoren für die Krise verantwortlich: Bürokratie, zu niedrige Erstattungssätze und ein Mangel an Fachpersonal erschwerten den Betriebsalltag. Zudem belasteten Lieferengpässe, der aufwendige Herstellungsprozess von Rezepturen sowie der Beratungsbedarf der Patienten die Apotheken zusätzlich.
Besonders kritisch äußerte sich Pohl zu Jauchs Werbung für ausländische Online-Apotheken. Die dort generierten Umsätze kämen weder dem deutschen Steuersystem noch der heimischen Infrastruktur oder lokalen Wirtschaft zugute, argumentierte er. Die Verlagerung von Dauerrezepten ins Ausland untergrabe zudem die Motivation unabhängiger Apotheker.
Um seine Position zu unterstreichen, lud Pohl Jauch ein, einen Tag in seiner bayerischen Apotheke mitzuarbeiten. Kollegen lobten seitdem das Video als mutigen Schritt, um auf die Notlage ländlicher Apotheken aufmerksam zu machen.
Der Niedergang lokaler Apotheken beschleunigt sich weiter – die Zahlen zu Insolvenzen und Schließungen steigen rasant. Pohls Appell für mehr Bewusstsein kommt zu einer Zeit, in der die Branche ungebremsten wirtschaftlichen Druck erfährt. Ohne Gegenmaßnahmen könnten bis Ende nächsten Jahres Hunderte weitere Apotheken verschwinden.






