Apothekenversorgung in Deutschland bleibt stabil – doch Fußwege werden länger
Herlinde JungferApothekenversorgung in Deutschland bleibt stabil – doch Fußwege werden länger
Apothekenversorgung in Deutschland bleibt weitgehend stabil – doch Fußläufigkeit nimmt leicht ab
Trotz eines leichten Rückgangs der fußläufigen Erreichbarkeit in den vergangenen fünf Jahren bleibt der Zugang zu Apotheken in Deutschland insgesamt stabil. Bis 2025 wird nahezu die gesamte Bevölkerung weiterhin innerhalb von 15 Minuten mit dem Auto eine Apotheke erreichen können – auch wenn dies zu Fuß für weniger Menschen möglich sein wird. Neue Daten von Krankenkassen und Forschungsinstituten zeigen sowohl die Widerstandsfähigkeit des Systems als auch aufkommende Versorgungslücken auf lokaler Ebene.
Eine vom GKV-Spitzenverband in Auftrag gegebene Studie des Iges-Instituts ergab, dass 2025 noch 41,6 Prozent der Deutschen eine Apotheke innerhalb von 15 Minuten zu Fuß erreichen können. Das entspricht einem Rückgang um 2,1 Prozentpunkte seit 2020 – rund 1,7 Millionen Menschen mehr haben damit keine nahgelegene Apotheke in Laufnähe. Die Barmer, eine der größten gesetzlichen Krankenkassen Deutschlands, analysierte hingegen eigene Daten und bestätigte, dass die Erreichbarkeit mit dem Auto weiterhin hervorragend ist: 99,9 Prozent der Bevölkerung können eine Apotheke innerhalb von 15 Minuten mit dem Pkw erreichen, ein minimaler Rückgang um nur 0,6 Prozentpunkte.
Die Schließungen folgen klaren strukturellen Mustern. In Regionen mit einer überdurchschnittlich hohen Apothekendichte ist das Risiko weiterer Schließungen besonders hoch, da der Wettbewerb zu Konsolidierungen führt. Umgekehrt verzeichnen Gebiete, in denen bereits viele Apotheken geschlossen haben, weniger zusätzliche Verluste. Fast zwei Drittel der Arztpraxen haben noch immer eine Apotheke in maximal zehn Minuten Fußweg, und über 90 Prozent sind mit dem Auto in fünf Minuten oder weniger bei einer Apotheke.
Trotz dieser Entwicklungen betonen die gesetzlichen Krankenkassen, dass die grundsätzliche Arzneimittelversorgung weiterhin gesichert sei. Dennoch fordert der GKV-Spitzenverband Reformen bei der Vergütung von Apotheken. Sein Vorschlag sieht vor, dass stark frequentierte Apotheken eine geringere Festgebühr erhalten, während Standorte mit niedrigerem Umsatz höher vergütet werden – mit dem Ziel, die flächendeckende Versorgung zu erhalten.
Bis 2025 wird die Zahl der Menschen, die keine Apotheke innerhalb von 15 Minuten mit dem Auto erreichen können, auf etwa 73.000 steigen – 10.000 mehr als noch 2020. Zwar bleibt der Zugang für die Mehrheit der Bevölkerung unproblematisch, doch die Daten deuten auf eine schleichende Verschiebung hin: Immer mehr Menschen werden für Apothekenbesuche auf das Auto angewiesen sein. Die Debatte über die Vergütungsreformen dauert derweil an, während Krankenkassen und Politiker versuchen, Marktmechanismen mit einer gerechten Gesundheitsversorgung in Einklang zu bringen.






