Apothekensterben gefährdet lokale Gesundheitsversorgung im Kreis Darmstadt-Dieburg
Christos SchwitalApothekensterben gefährdet lokale Gesundheitsversorgung im Kreis Darmstadt-Dieburg
Ein Treffen in Erzhausen hat die wachsende Belastung der lokalen Gesundheitsversorgung in Deutschland in den Fokus gerückt. Dr. Nojan Nejatian, Inhaber der Heegbach-Apotheke, traf sich mit Vertretern des Landkreises, um über die Zukunft der medizinischen Versorgung im Kreis Darmstadt-Dieburg zu sprechen. Die Gespräche finden vor dem Hintergrund statt, dass die Schließung zahlreicher Apotheken bundesweit Sorgen um den Zugang zu essenzieller medizinischer Grundversorgung aufkommen lässt.
Zwischen 2020 und Ende 2025 ist die Zahl der Apotheken in Deutschland deutlich gesunken. Während es 2013 noch etwa 20.662 gab, reduzierte sich die Zahl bis auf 16.601 – allein in den letzten Jahren schlossen über 1.000 Apotheken ihre Türen. Besonders betroffen sind städtische Gebiete: Hier ging die Zahl zwischen 2017 und 2024 um 26,4 Prozent zurück, während ländliche Regionen einen Rückgang von 18,8 Prozent verzeichneten. Städte wie Dortmund verloren zwischen 2012 und 2024 sogar 24 Prozent ihrer Apotheken, sodass die bundesweite Dichte nun bei nur noch 20 Apotheken pro 100.000 Einwohner liegt.
Nejatian warnte, dass diese Schließungen tiefe strukturelle Schwächen in der lokalen Gesundheitsversorgung offenlegen. Er betonte, dass zuverlässige medizinische und pharmazeutische Netzwerke auf langfristige politische Unterstützung und stabile Rahmenbedingungen angewiesen seien. Im Kreis Darmstadt-Dieburg habe sich jedoch ein robustes System aus Apotheken und Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) etabliert, das eine schnelle, persönliche und bürokratiearme Behandlung ermögliche.
Während des Treffens plädierte Nejatian dafür, Apotheken künftig stärker in die Planung von MVZ einzubinden. Dies, so sein Argument, könnte helfen, die übergeordneten Herausforderungen des Sektors zu bewältigen. Landrat Klaus Peter Schellhaas setzt sich seit Langem für den Erhalt der Gesundheitsversorgung ein und hat in der Region bereits zwei MVZ initiiert. Christel Sprößler, SPD-Kandidatin für seine Nachfolge, hat angekündigt, diesen Kurs im Falle ihrer Wahl fortzuführen.
Der Rückgang der Apotheken setzt die lokalen Gesundheitssysteme bundesweit unter Druck. Im Kreis Darmstadt-Dieburg arbeiten Behörden und Apothekeninhaber nun gemeinsam daran, die Versorgung durch Kooperation und integrierte Versorgungsmodelle aufrechtzuerhalten. Wie erfolgreich diese Bemühungen sein werden, wird maßgeblich darüber entscheiden, wie gut die Bevölkerung in den kommenden Jahren Zugang zu medizinischer Unterstützung hat.






