Apotheken kämpfen mit finanziellen Herausforderungen – digitale Preismodelle als Rettungsanker
Herlinde JungferApotheken kämpfen mit finanziellen Herausforderungen – digitale Preismodelle als Rettungsanker
Apotheken in ganz Deutschland stehen unter zunehmendem finanziellen Druck. Doch da kurzfristige Entlastung durch geplante Gesetzesänderungen ausbleibt, raten Experten nun dazu, die eigenen Geschäftsabläufe selbst in die Hand zu nehmen. Ein systematischerer Umgang mit digitalen Preismodellen könnte einen Ausweg bieten.
Viele Apotheken setzen die Preise für rezeptfreie Medikamente derzeit eher nach Gefühl als auf Basis von Daten fest. Diese bleiben oft über lange Zeiträume unverändert – mit der Folge, dass Chancen auf höhere Gewinne und Effizienzsteigerungen ungenutzt bleiben. Der Branchenberater Robert Fries warnt davor, auf externe Lösungen zu warten, etwa auf die seit Langem erwartete Erhöhung der Abgabegebühren für verschreibungspflichtige Arzneimittel.
Stattdessen empfiehlt er, den Fokus auf interne Verbesserungen zu legen. Klare Arbeitsabläufe und regelmäßige Preisüberprüfungen könnten das Vertrauen der Kunden wahren und gleichzeitig die Umsätze steigern. Digitale Preismanagement-Systeme, die schätzungsweise von 20 bis 30 Prozent der rund 19.000 Apotheken in Deutschland genutzt werden, bieten Transparenz und Flexibilität. Tools von Anbietern wie Apotheke-Digital oder CGM helfen bereits einigen Betrieben, sich anzupassen.
Um diesen Ansatz zu stärken, wurde kürzlich die Unternehmensberatung Baufeld & Partner übernommen, um Apotheken mit datengestützten Analysen zu unterstützen. Ihr Know-how soll die finanzielle Agilität verbessern, indem Preissstrategien und Betriebsprozesse optimiert werden. Entscheidend sei es laut Fries, strukturierte Systeme zu etablieren, die nachhaltig verankert werden – sodass Anpassungen zum festen Bestandteil des Arbeitsalltags werden.
Da aktuelle branchenweite Zahlen fehlen, bleibt unklar, wie weit die digitale Preisgestaltung bereits verbreitet ist. Doch der Druck, die internen Steuerungsmöglichkeiten zu verbessern, nimmt zu. Durch die Optimierung der Preise für nicht verschreibungspflichtige Produkte und die Straffung von Arbeitsabläufen könnten Apotheken die finanziellen Belastungen mindern – noch bevor Gesetzesänderungen greifen.






