32 Kinder erobern mit mutigem Musiktheater die Bühne und überraschen alle
Luka Boucsein32 Kinder erobern mit mutigem Musiktheater die Bühne und überraschen alle
32 Kinder aus ländlichen Förderschulen stehen im Rampenlicht eines mutigen Musiktheaterprojekts
Unter dem Titel „Könige und Königinnen – Ein musikalischer Staatsstreich“ präsentieren die jungen Darsteller:innen ein Stück, das in Zusammenarbeit mit der Musikakademie Rheinsberg im Rahmen der Initiative Musiktheater 360° entstanden ist. Das Projekt setzt sich zum Ziel, zeitgenössische Musik zugänglicher zu gestalten und jungen Teilnehmenden eine kreative Stimme zu verleihen.
Ursprünglich als Werkstatt Quillo vom Ensemble Quillo in Falkenhagen ins Leben gerufen, richtet sich das Programm an sozial benachteiligte Kinder, die keine traditionellen Noten lesen können. Stattdessen entwickeln sie ihr eigenes Musiktheater und halten es in selbst erfundenen Notationen fest – eine ungewöhnliche Mischung aus Klang, Bewegung und Erzählkunst.
Die Aufführung besticht durch eindrucksvolle Bilder und erfinderische Klänge. In einer Szene schwenken elf- bis sechzehnjährige Mädchen selbst bemalte Stäbe, sogenannte Regenmacher, die mit Kieselsteinen gefüllt sind. Beim synchronen Bewegen entsteht ein sanftes, rhythmisches Prasseln wie frischer Regen.
Ein düsterer Moment folgt in einer traumhaften Sequenz: Eine entenartige Kreatur, maskiert mit einem Schnabel und in schwarze Schwingen gehüllt, schleicht sich an und „verschlingt“ symbolisch ein Mädchen. Die unheimliche Szene kontrastiert mit leichteren, komischen Elementen, darunter eine parodistische Nachrichtensendung. Der Moderator Ente Kross – eine spielerische Anspielung auf die Tagesschau – wendet sich an das Publikum und bittet um Zeugenaussagen, wobei er zur Kontaktaufnahme unter einer Nummer mit den Endziffern 6 und 7 aufruft.
Zwei Teilnehmerinnen, Fieby und Helene von der Clara-Zetkin-Schule, stiegen trotz einer Deutschprüfung am selben Morgen auf die Bühne. Dort präsentierten sie ihre verspielten Visionen für die Herrschaft über ihre Stadt: frei umherlaufende Koalas und unbegrenztes Eis für alle. Ihr selbstbewusstes Auftreten spiegelt den Einfluss des Projekts wider. Lehrer:innen berichten von neuen Seiten an ihren Schüler:innen – etwa von einem Mädchen, das unerwartet zärtlich und verletzlich wirkte, oder von der Fähigkeit der Kinder, eigene Regeln aufzustellen und ihre Ideen durchzusetzen.
Das Finale mündet in ein fröhliches Fest. Die jungen Darsteller:innen tanzen entspannt und selbstsicher über die Bühne. Der Ansatz des Projekts, inspiriert von partizipativen Traditionen von Komponisten wie John Cage und Karlheinz Stockhausen, stellt das Publikum ins Zentrum und überwindet die Grenze zwischen Schöpfer:innen und Zuschauer:innen.
Musiktheater 360° bietet Kindern mit besonderem Förderbedarf eine Plattform, um ohne klassische Vorgaben kreativ zu sein. Durch Klang, Bewegung und eigene Notationen haben sie eine Aufführung gestaltet, die Erwartungen herausfordert. Für die beteiligten Lehrer:innen war die Erfahrung eine Bereicherung – sie entdeckten unerwartete Fähigkeiten und Persönlichkeiten ihrer Schüler:innen. Die Initiative wächst weiter und bringt zeitgenössische Musik auf inklusive und fantasievolle Weise in ländliche Gemeinden.






